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2006-06-25 - 11:04 - Lyssa als Rettungsschwimmerin

Gestern war endlich mal wieder Zeit für einen ausgiebigen Spaziergang mit Hund um den Grunewaldsee (aus Hundesicht ist der feste Waldboden dem rutschigen Parkett eindeutig vorzuziehen). Die hochgeschätzte Kaltmamsell, der Leichtmatrose und ich machten uns direkt nach dem Frühstück auf den Weg, um uns nur knapp eine halbe Stunde später schon wieder mit Würstchen und Kuchen zu einer kleinen Kaffeepause im Jagdschloß niederzulassen. Bis dahin war auch der Hund schon so viel gerannt und so häufig im Wasser gewesen (was er tatsächlich erst seit einer Woche freiwillig tut, in den 12 Jahren davor hat er selbst um Pfützen einen großen Bogen gemacht), daß auch er nichts gegen eine kleine Pause mit der Chance auf herabfallende Kuchenkrümel einzuwenden hatte.

Die leicht berauschende Kombination aus Kaffee, Fett und Zucker, aus angenehmster Gesellschaft, guter Unterhaltung und viel Frischluft muß mich leichtsinnig oder noch etwas irrsinniger als sonst gemacht haben, denn anders läßt sich mein folgender Ausflug nicht erklären. Zurück auf der anderen Seite des Sees trafen wir eine Frau mit einem wunderschönen, riesengroßen schwarzen Hund, der jedem in den See geworfenen Ball begeistert hinterhersprang. Ich lieh mir den kleinen, blauen Plastikball in der Hoffnung, mein Hund würde sich freuen und noch ein paar schnelle Runden damit drehen. Wollte er aber nicht. Also warf ich den Ball wieder in den See. Der schwarze Hund würde sicher sofort hocherfreut hinterherspringen. Aber auch er wollte nicht. Blöde Hunde.

Der kleine blaue Plastikball bildete einen lustigen Farbklecks auf der Wasseroberfläche, der sich ganz gemächlich von uns entfernte. Die Besitzerin des Balls sah ihm unglücklich hinterher, watete schließlich ein Stück ins Wasser hinein, blieb aber immer wesentlich mehr als eine Armeslänge vom Farbklecks entfernt. Eine andere Hundebesitzerin erkannte unser Problem und schickte ihre Viecher zur Rettung des Balls ins Wasser. Die beiden Hunde schwammen abwechselnd weisungsgemäß zum Ball, schnüffelten kurz daran, stellten fest, daß es ein fremder Ball sein mußte, stupsten den Ball noch etwas weiter auf den See hinaus und kehrten hechelnd ans Ufer zurück. Jeder mir bekannte Hund klaut mit Begeisterung fremde Bälle, warum ausgerechnet diese beiden nicht? Saublöde Hunde.

Die Hundeballbesitzerin sah jetzt dermaßen unglücklich aus, daß ich mich nicht mal traute, ihr die Bezahlung des Balls anzubieten. Im Scherz sagte ich: „Ich könnte ja ins Wasser gehen und mich als Rettungsschwimmer betätigen.“ Die Frau sagte „prima“, der Leichtmatrose sagte „ich halt solange deine Klamotten“ und die Kaltmamsell sprang los, um mir einen langen Stock als Angelersatz zu holen. Versteht denn heute niemand mehr Spaß? Das sollte ein Witz sein, ein kleiner, harmloser Scherz. Und die einzig angemessene Antwort lautet: „Ach was, Lyssa, das wäre ja nun wirklich übertrieben für einen einfachen blauen Plastikball.“ Beherzigt denn niemand mehr die einfachsten Grundregeln sozialer Interaktion? Blöde Hunde, blöde Freunde, saublöde Lyssa.

Mir blieb also nichts anderes übrig, als meine Jeans auszuziehen und sie mit Todesverachtung dem Leichtmatrosen zu überreichen, der sie fast fallenließ, weil er zu sehr mit seinem Kamerahandy beschäftigt war. In der Hoffnung, das Wasser würde nur sehr langsam tiefer werden, vor allem aber eingedenk meiner nicht aufeinander abgestimmten Unterwäsche (das kommt davon, aber ich wollte ja nicht auf meine Mutter hören), blieb das T-Shirt an und wurde hochgeknotet. Die Umstehenden grinsten erwartungsvoll. Ich setzte zaghaft einen Fuß ins Wasser – jetzt könnte eigentlich mal jemand etwas sagen – setzte dann den anderen nach – warum hat denn immer noch niemand Stop gerufen – und warf mich schließlich von der Welt verlassen in die aus dramaturgischen Gründen selbstproduzierten Wellen.

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