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2004-04-05 - 23:59 - Auto um Auto, Zahn um Zahn

Einer der ehemaligen Mitarbeiter auf dem elterlichen Bauernhof, von allen nur liebevoll OnkelB genannt, willigt ein, seinem Sohn das Auto der größeren Ladefläche wegen für einen Transport von Bauteilen zu leihen. Das tut er allerdings nur sehr widerstrebend, denn OnkelB hegt und pflegt sein Auto, während die Karre seines Sohns ein reines Transportmittel ist und auch genau danach aussieht. Die beiden treffen sich im örtlichen Baumarkt zum Einkauf mit anschließendem Autotausch.

Während des gemeinsamen Einkaufs hat der Sohn mehr als ausreichend Zeit, seinen Geiz zu verfluchen, denn hätte er sich einfach ein größeres Auto gemietet, müßte er sich jetzt nicht stundenlang Vorträge und Ermahnungen über den Umgang mit dem väterlichen Wagen anhören. "Und deck die Rückbank vorher sorgsam ab, hörst du?"

Als die beiden schwer beladen auf den Parkplatz kommen, steht OnkelBs Auto nicht mehr dort, wo er es vor einer Stunde abgestellt hatte. Es steht jetzt etwa einen Meter weiter rechts an der Mauer. Zumindest befindet sich dort etwas, das man noch mit viel Phantasie mit dem scheckheftgepflegten Auto nebst makelloser Lackierung in Verbindung bringen kann. Ein astreiner Totalschaden, bei dem sich künftig jede Pflegeermahnung erübrigen dürfte.

OnkelB knirscht vor Entsetzen so heftig mit dem schlecht sitzenden Gebiß, daß er auch noch seinen letzten echten Zahn einbüßt. Aber darum kann er sich jetzt keine Gedanken machen, die Sache mit dem Auto hat Vorrang und die Polizei muß her. Die kommt auch relativ schnell, doch natürlich hat niemand etwas gesehen. Gehört vielleicht, aber nicht gesehen.

Noch bevor man sich allzu lange wundern kann, erhalten die Polizisten einen weiteren Auftrag. In einer kleinen Seitenstraße nur wenige hundert Meter entfernt, versperrt ein ziemlich verbeultes Auto die komplette Straße. Der Fahrer schläft, ist tot oder sonstwas, zumindest reagiert er nicht auf Hupen und Pöbeln.

Die Polizei fährt hin, dicht gefolgt von OnkelB, der Böses ahnt. In der Seitenstraße finden sie den zweiten Totalschaden des Tages, der verdächtig gut zum ersten paßt. Man kann auch ohne weitere Hilfsmittel oder kriminaltechnische Vorbildung problemlos Lackreste am Wagen finden, die eigentlich nur von OnkelBs Pflegefallauto stammen können.

Der Fahrer des zweiten Totalschadens ist nicht tot, sondern schläft nur einen phänomenalen Rausch aus, hätte sich aber genauso gut von seinem irdischen Dasein verabschieden können, wenn es der Polizei und dem Sohn nicht gelungen wäre, den nunmehr völlig zahnlosen OnkelB zu bändigen. So eine Bluthochdruck-Rentner-Rage ist nicht zu unterschätzen.

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