Unser liebstes Meinungsbildungsblatt, die einzige Zeitung, deren Schlagzeilen ich auch ohne Brille auf größere Entfernung am Kiosk unmöglich ignorieren kann, möchte sich gerne des Köterkonflikts auf Hamburgs Grünflächen annehmen und war daher heute an der Alster unterwegs, um ein paar Zitate von Betroffenen mit und ohne Hund zu ergattern. Zu diesem Zweck stapfte eine mit Notizblock und Stift bewaffnete Frau scheinbar allein um die Mittagszeit über die Hundewiese.
Da etliche der Hundebesitzer in den letzten Monaten ausreichend schlechte Erfahrung mit der Sorglosigkeit der Bildzeitung im Umgang mit Zitaten gemacht hatten, war die Auskunftsfreude sehr gering und das Grüppchen Hundehalter zerstreute sich schneller als beim Leinenkontrollalarm. Nicht zuletzt weil niemand einem Fotografen die Gelegenheit geben wollte, ein Gruppenbild mit Hund zu schießen.
Aber halt, die Journalistin war ja ohne den sonst üblichen Fotografen im Schlepptau auf die Wiese gekommen. Dachten zumindest alle, bis Susanne plötzlich viele, viele Meter in die Ferne und dabei direkt in ein fettes Teleobjektiv blickte. Die Fotografin der Bildzeitung hatte sich nämlich wie jeder gute Tierfotograf dezent im Hintergrund gehalten, um die (foto)scheuen Wesen nicht unnötig in Aufregung zu versetzen und sie ungestört in ihrem natürlichen Lebensraum ablichten zu können.
Susanne wollte aber nicht abgelichtet werden und in die Zeitung wollte sie damit erst recht nicht. Also marschierte sie zu der Pressefotografin, um das noch vor Ort klarzustellen. Die aber fertigte sie recht unwirsch ab. Susanne solle sich mal nicht so anstellen, schließlich habe sie hauptsächlich die Hunde fotografiert. Die Menschen seien eher nebensächlich. Aber Susanne wollte auch nicht eher nebensächlich in die Zeitung und fand das ganze Gebaren der Frau mit Teleobjektiv höchst unfein.
Als nächstes fragte sie dann nach dem Namen der Fotografin und ihrem Presseausweis. Aber da schnappte der Mund der Namenlosen zu und wurde zu einer sehr dünnen Linie, während sie sich noch angestrengter hinter ihrem Objektiv verschanzte und den Mantelkragen hochklappte. Erst als Susanne einfach nicht aufhören wollte zu nerven, entrang sie sich ein knappes: "Meine Güte, wenn Sie mein Name so sehr interessiert, dann lesen Sie halt morgen die Zeitung. Da werden Sie ihn dann schon unter den Fotos finden."
So macht man sich natürlich keine Freunde, außer vielleicht unter den rechtlichen Vertretern fotoscheuer Mandanten. Aber vermutlich muß man als toller investigativer Journalist mit derartig kleinkarierten Anfeindungen leben können. Mal sehen, was der Hamburg Teil morgen so bringt. Ich werde mir zumindest Mühe geben, mal wieder drei Einträge ohne Erwähnung der Hundewiese zu bringen.
Schon gelesen?
2007-06-28 - In einem Taxi nach Paris Damaskus
2007-06-25 - Gruß aus Amman
2007-06-12 - Kumbayah mit Anfassen
2007-02-27 - Irmela Schwab und der Elektrakomplex
2007-01-08 - Mann zum Unter-die-Erde-Bringen gesucht








