Heute ist definitiv ein "Look and feel 20 years older"-Tag und ich bin sehr versucht, mir doch eines der Verjüngungsmittel zu bestellen, aber erst, wenn die nächste Schachtel Aspirin leer ist (ich glaube, das hat ganz entfernt etwas mit dem schwarzgebrannten Obstler aus einem 2-Liter-Faß zu tun, der aus dem Zinnlöffel getrunken wird und ganz unschuldig als "Löffelschnaps" daherkommt). Ich weiß auch nicht, warum ich immer wieder vergesse, daß Feierlichkeiten in diesem Haus gerne zu wahren Gelagen ausarten.
Angesichts der heute morgen eingesammelten leeren Flaschen und Fässer ließe sich auf eine Party mit etwa 150 Personen schließen, aber ich könnte schwören, daß nicht mehr als 50 Gäste da waren. Andererseits würde ich aber auch schwören, daß ich heute während der Hunderunde drei schwere Jungs auf noch schwereren Motorrädern vorbeifahren sah, die allesamt Stofftiere auf den freien Platz hinter sich geschnallt hatten. Was ist da noch Wirklichkeit und was schon Wahn?
Als gesicherte Erkenntnis darf jedoch vermeldet werden, daß die Bussi-Sitte inzwischen auch eher bodenständig-bäuerliche Kreise erreicht hat und ich schon nach etwa zwei Stunden mehr fremdes als eigenes Make-Up im Gesicht hatte, was für interessante Farbkreationen im Bereich der Wangen sorgte. Männer hingegen tendieren weiterhin zum Knochenbrecher-Handschlag, bei dem ich auch nach vielen Jahren immer noch nicht weiß, ob sie ihre Kraft einfach nicht einschätzen können oder ob nicht doch eine gehörige Portion Machismo dabei ist.
Ich habe mir aber auf jeden Fall geschworen, bei künftigen Feierlichkeiten dieser Art mein kleines Tablett während der ersten zwei Stunden nicht aus der Hand zu legen, um meine Finger keinen unnötigen Gefahren auszusetzen. Meine knochigen Fingerchen sind nun wirklich nicht besonders kraftlos oder gar zart, aber mit solchen Griffen bändigen die entsprechenden Herren unter der Woche wahrscheinlich wütende Bullen im Einhandalleingang.
Zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt, als mir längst Hände, Füße und Kopf wehtaten, drehten die letzten feierwütigen Bettflüchtlinge noch mal richtig auf und rockten die alte Deele mit Hilfe der Beatles (standesgemäß von Vinyl). Während mein Vater bei "Twist and Shout" unfaßbar fix in die Hocke und zurück hinternwackelte und meine Mutter ihre Schuhe in die Ecke kickte, um zum Hüftschwung mit den frisch lackierten Zehen winken zu können, fragte ich mich die ganze Zeit, wozu wir wohl in 30 Jahren tanzen werden. Wenn überhaupt.
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