Es gibt ein paar Dinge, die ich einfach nicht mehr hören will. Und ich gebe hiermit ganz offiziell bekannt, daß ich bei ähnlicher Gelegenheit künftig nicht mehr eine mühsam höflich formulierte Antwort murmeln, sondern laut Obszönitäten brüllend das Gebäude verlassen werde. Die folgende Liste ließe sich wahrscheinlich beliebig erweitern, aber ich fange einfach mal mit den Dingen an, die eine Familienfeierlichkeit so mit sich bringt.
"Du bist ja immer noch kein Anwalt. Wills du dir das nicht noch mal überlegen? Du kannst doch dein Studium nicht einfach so ungenutzt lassen." Doch, kann ich. Das mag zwar noch nicht bis in alle Winkel dieser Republik vorgedrungen sein, aber es soll Menschen geben, so munkelt man zumindest, die Jura studiert haben und dann nicht der Heiligen Dreifaltigkeit aus Richter / Staatsanwalt / Anwalt beitreten. Manche von ihnen sollen sogar glücklich geworden sein. Aber das ist natürlich nur ein Gerücht.
Während ich für Fragen nach meiner unsicheren beruflichen Zukunft sogar noch Verständnis aufbringen kann, verläßt mich selbiges sofort angesichts dieser, meist im vertraulichen Flüsterton vorgebrachten Frage: "Wann isset denn soweit?" - "Wann ist was soweit? Die ersten grauen Haare hab ich schon länger." - "Du weißt schon. Wann willse endlich heiraten? Wirssja aunich jünger."
Bei nächster Gelegenheit werde ich mal eine andere Antwort als mein übliches Stirnrunzeln begleitet von Augenverdrehen ausprobieren: "Ach, ach, das ist eine tragische Angelegenheit. Tante XY, du erinnerst dich doch bestimmt an Marc, der schon häufiger mit mir hier war." - "Ja, dat iss mal nen richtig Netten." - "Ja, den wollte ich ja eigentlich auch heiraten. Aber dann hab ich ihn mit einem anderen Mann im Bett erwischt und er hat mir gestanden, daß er schwul ist." Ob ich besser einen Defibrillator bereitstelle?
Noch viel lästiger sind allerdings Diskussionen um das eine große Grundübel der Menschheit: Kommerzialisierung. Man glaubte ja schon hoffnungsfroh, dieses Schimpfwort sei zusammen mit den Schulterpolstern eingemottet worden und würde nur noch linke Subkulturkleingruppen in helle Aufregung versetzen ("Menno, ich finde es total schlimm, daß der Bernd die Bambule-Buttons nicht zum Herstellungspreis abgibt. Da wird wieder nur die ganze Szene kommerzialisiert. Scheiß Kapitalismus.") Aber nein, auch hoch geschätzte Law Blogger, die fünf T-Shirts mit Blog-URL an Leser verschenken wollen, müssen sich nun öffentlich rechtfertigen.
Da kann ich nur dem netten Herrn zustimmen, den ich gestern im Park traf. Er hörte mich laut "Rübe" rufen, warf erst einen Blick auf mich, dann auf den Hund, schüttelte entgeistert den Kopf und sagte: "Nee, dat isja wat prosaisch."
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