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2004-04-28 - 23:52 - Meine kleine Pilzfarm

Meine Vermieterin wollte offensichtlich doch nicht täglich eine neue Badezimmerfliese hübsch verpackt in ihrer Post finden. Vielleicht hatte sie Angst vor mitreisenden Pilzsporen, vor denen mich meine fachkundigen Leser gewarnt haben. Wahrscheinlich aber wollte sie möglichst bald wieder die volle Miete auf ihrem Konto finden. Egal was sie letztlich zum Handeln bewogen hat, seit heute kümmern sich Klaus und Rolf liebevoll um meine Naßzelle.

Also eigentlich kümmert sich nur Klaus um mein Bad, denn wenn er darin ist, paßt außer einer kleinen Hundepfote auch sonst nichts mehr rein. Rolf kommt dafür alle halbe Stunde mal zur Inspektion und auf nen Bier vorbei. Dann gucken beide kopfschüttelnd durch die Tür auf das sanitäre Desaster, legen die hohe Stirn in besorgte Denkerfalten und geben im Chor ein äußerst beunruhigendes "Ohoh" von sich.

Ich durfte heute schon lernen, daß jedes "Ohoh" den voraussichtlichen Zeitraum der Erneuerungsmaßnahme um etwa eine Woche verlängert. Und nachdem Klaus unter wildem Stöhnen probehalber einen Teil der Wand- und Fußbodenfliesen abgeschlagen hatte, mußte gleich ganz neu geplant werden. Statt nur ein paar neue Fliesen anzukleben, steht jetzt eine Sanierung meines kompletten Badezimmers an. Macht etwa vier "Ohohs".

Unter den angeknacksten Fliesen kam nämlich nur eine simple Spanplatte zum Vorschein, von Estrich oder ähnlich neumodischem Krams keine Spur. Zumindest vermuten Klaus und Rolf, daß das, was jetzt ein wunderbarer Nährboden für diverse Pilzkulturen ist und ganz offensichtlich auch die Quelle des modrigen Geruchs darstellt, früher mal eine unschuldige Spanplatte gewesen sein könnte.

Bad4.jpg

Leider können beide nicht so genau sagen, ob die nachträglich eingezogene Trennwand zwischen Küche und Bad dem Umbaustreß standhalten wird (dem Küchenschrank hatte sie beim Einzug leider nicht genug entgegenzusetzen, seither habe ich nur noch vier Teller). Es könnte also gut passieren, daß ich demnächst eine Durchreiche von der Küche zum Bad habe, was mir mangels Badewanne nicht wirklich von Nutzen zu sein scheint. Und noch mal "Ohoh".

Immerhin hat meine Vermieterin eingesehen, daß ich meinen Harndrang unmöglich vier Wochen mit der Anwesenheit wohlwollender Nachbarn koordinieren kann und hat mir daher die Benutzung eines Badezimmers in einer derzeit unbewohnten Kellerwohnung (entschuldigt, das heißt hier natürlich Souterrain und kostet auch entsprechend mehr) in Aussicht gestellt. Leider ist die Wohnung nicht durch das Treppenhaus, sondern nur über eine Außentreppe im Hof zu erreichen, so daß ich meinen interessierten Nachbarn in den nächsten Tagen meine Bademantel- und FlipFlop-Kollektion vorstellen werde.

Das erinnert mich alles verdächtig an die Besuche damals als Kind bei Tante Gerda in der DDR. Die hatte nämlich nur ein Plumpsklo neben dem Schweinestall und um das zu erreichen, mußte man über den halben Hof laufen. Wovor ich nachts natürlich panische Angst hatte. Aber Rolf bemerkte völlig zurecht, ich sei erstens kein Kind mehr und könnte zweitens nachts auch genausogut einen Eimer benutzen. Ohoh.

Ich werde jetzt also tatsächlich auf die vielen reizenden Duschangebote zurückkommen müssen. Aber Ihr müßt dazu nicht extra Eure Pornosammlung wegräumen, mir reicht eine halbwegs saubere Dusche und eine angenehme Unterhaltung. Odalisken im Bad sind natürlich auch herzlich willkommen.

Übrigens ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen, weil notgedrungen im Flur installiert:

WLAN.jpg
WLAN, christo-style.
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