
Die Bauarbeiten in dem kleinen Loch, das mal mein Bad war, schreiten ganz gemächlich voran. Schließlich muß auch der bemühteste Handwerker zwischen den langen Frühstücks- und Mittagspausen irgendwann mal ein Stündchen arbeiten. Dabei nimmt die Aktion immer mehr den Charakter einer wissenschaftlichen Ausgrabung an, denn unter jeder abgetragenen Schicht wartet eine neue Überraschung.
Unter den Fliesen eine Spanplatte, dann PVC, dann wieder Preßspan, etwas feuchtes Undefinierbares, schließlich Linoleum und darunter die ursprünglichen Holzdielen. Und durch alles hat sich in den letzten 30 Jahren ein emsiger Schimmelpilz gefressen. Als sie gestern schließlich auch noch die nassen Holzdielen rausschlagen mußte, entdeckten sie darunter einen Hohlraum, der mit alten Zeitungen aus dem Sommer 1956 gefüllt war. Reihenweise "Morgenpost", "Hör zu" und eine mir unbekannte Publikation namens "Hobby".

Jetzt trennt mich nur noch eine sehr, sehr dünne Holzschicht von meinen lauten Nachbarn, was die Bauarbeiten zusätzlich erschweren wird. Das bißchen Holz trägt nämlich keinen Mann von Klaus Kaliber, also kann man den Fußboden nicht in einem Anlauf erneuern, sondern muß sich Quadratmeter für Quadratmeter vorarbeiten (zum ersten Mal freut es mich, daß ich nur knapp vier davon habe). Aber die Verzögerung kann mir jetzt egal sein. Ich werde einfach die staubigen Füße aus dem Bett baumeln lassen und mir lustige Anzeigen für Miederwaren und Herrenregenschirme angucken.


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