Es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn an diesem Wochenende irgendwas nach Plan verlaufen wäre. Aber das Leben gibt sich immerhin redlich Mühe, mir jede Menge kleiner Alltagskatastrophen zu servieren, die ich dann wiederum hübsch angerichtet an Euch weitergeben kann. Man muß das alles positiv sehen, jawohl.
Der erste meiner Pläne ging irgendwann in der Nacht zu Freitag über Bord, als ich träumte, daß ich auf einen Stuhl gefesselt hilflos mit ansehen muß, wie mir ein bösartiger Mann mit einem großen Jagdmesser das Fleisch von meinem rechten Oberschenkelknochen schabt. So hatte ich mir die Schönheits-OP nicht vorgestellt und wurde zum Glück wach, bevor er sich über weitere Körperteile hermachen konnte.
Aber die Erleichterung währte nur sehr kurz, denn mit dem Aufwachen verschwand zwar der häßliche Mann, nicht aber der mindestens ebenso häßliche Schmerz. Ich gebe zu, daß die Außenseite des rechten Oberschenkels schon seit etwa zwei Wochen sonderbar oberflächentaub war, aber der Schmerz war neu. Und absolut unerwünscht. Vielleicht hätte ich die Taubheit doch nicht ignorieren sollen?
Frau Julie erwies sich als treue Freundin und malte mir meine Zukunft im Rollstuhl in den rosigsten Farben aus, bis ich endlich zum Arzt ging ("als nächstes knickt dann das Knie weg, aber keine Sorge, bis du gar nicht mehr laufen kannst, ist Kind I schon alt genug, um den Rollstuhl zu schieben"). Der aber wußte auch nicht recht weiter, drückte mir eine Probetube Salbe in die Hand und murmelte etwas, das verdächtig nach Entzündung und Nerven klang.
Ungefähr 24 Stunden später war zur Abwechslung der Hund Anlaß für einen eiligen, nächtlichen Arztbesuch. Ich wurde von seinem fürchterlichen Geröchel wach, das sich im Gegensatz zu früheren Gelegenheiten nicht nach einer Minute wieder gab. Nach etwa fünf Minuten krampfte sich der ganze kleine Körper schon erbarmungswürdig zusammen bei seinen verzweifelten Versuchen Luft zu holen. Ich erklärte umgehend mein Experiment "Ruhe bewahren und Vernunft walten lassen" für gescheitert und raste mit verbrecherischem Tempo in die Tierklinik.
Der zuständige Tierarzt machte ein ratloses Gesicht, das ich schon von anderen Ärzten kannte, murmelte aber wissend, wenngleich unverständlich und spritzte etwas, das zumindest die Luftzufuhr wieder erleichterte. Anschließend mußte ich den Hund zur vorübergehenden Beobachtung und eine unvorstellbare Menge Geld zum dauerhaften Verbleib bei ihm lassen (ich bin mir sicher, daß die Strafe für die Geschwindigkeitsübertretung im Preis enthalten ist ... sein muß).
Den knappen Rest der Nacht verbrachte ich allein im Bett und mit Alpträumen Orwellschen Ausmaßes. Mein krankes Hirn katapultierte mich in eine Zukunft, in der Menschen nur noch aus einigen vorgefertigten Teilen produziert werden und sich auf erschreckende Weise gleichen. Den Restbestand an Altmenschen glich man an, indem man ihnen die Ohren abschnitt. Irgendwann kam dann eine Klonschwester im weißen Kittel, schnappte sich meinen Hund, fuhr mit ihm die Rolltreppe runter, über die zuvor auch schon die Altmenschen in den OP-Keller gefahren waren und brachte ihn mir etwas später zurück - sterbend und mit blutigen Löchern anstelle seiner wuscheligen Ohren.
Es war mir völlig egal, daß mich alle entgeistert anguckten, als ich beim Abholen die Ohren meines kleinen Monsters ganz besonders gründlich kontrollierte. Und ich war so froh ihn lebendig und mit Ohren wieder zuhause zu haben, daß ich mich nicht mal beschwerte, als er den Teddy als Schlafplatz mißbrauchte.

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