Die Alsterwiesen, ohnehin schon beim geringsten Sonnenstrahl überfüllt von Sonnenanbetern, Grillern, Müttern und Fußballspielern, werden zunehmend heimgesucht von Befragern sowohl der vermeintlich journalistischen als auch der kommerziellen Art. Sie sind auf der Jagd nach Auskünften und dabei unerbittlicher als die GEZ-Gorillas.
Ich hatte heute mittag das große Glück, den letzten freien Sonnenstuhl zu ergattern, sah aber schon nach fünf Minuten ein frohgemutes Damentrio zielstrebig in meine Richtung marschieren. Da half auch sehr demonstratives Zeitungslesen nicht. Sie kämen von einer Frauenzeitschrift. Ob sie mich mal etwas fragen dürften.
Durften sie nicht, taten sie aber natürlich trotzdem. Und sie kamen auch gleich zur Sache. Wie ich es denn mit der Intimrasur halte, wollten sie wissen. Alles weg, kurz gestutzt, Iro oder Wildwuchs? Und ein Foto - von meinem Gesicht selbstverständlich - wollten sie auch gleich haben.
Vielleicht bin ich da etwas spießiger als noch mit Anfang 20, aber ich hatte mir unter erfolgreicher Pressearbeit immer etwas anderes vorgestellt als mein Gesicht mit der Bildunterschrift: "Das ist Lyssa. Sie mag's untenrum am liebsten ..." Und wen, bitteschön, interessiert das überhaupt? Ich bin schließlich nicht Christina Aguilera, bei deren knappen Outfits man sich unweigerlich fragen muß, ob da noch ein Haar Platz finden könnte.
Ich lehnte also dankend ab und erläuterte höflich, daß ich im Zweifel auf die Leser meines Blogs zurückgreifen würde, sollte mich je der unbezähmbare Drang überkommen, wildfremde Menschen über den Zustand meiner Intimbehaarung in Kenntnis zu setzen. Schade nur, daß sie an einem lehrreichen Monolog über Weblogs weniger Interesse zeigten als an meinen Genitalien.
Nach diesem Intermezzo blieben mir ungefähr zehn Minuten bis zur nächsten Störung. Den Mann im schlecht sitzenden Sommeranzug mit einem Klemmbrett von Hansenet sah ich nicht mal kommen, denn inzwischen war ich tatsächlich eingeschlafen. Aber seither grüble ich darüber, wie eine Firma allen Ernstes glauben kann, ich würde ihr Produkt kaufen wollen, nachdem man mich zu Werbezwecken rüde aus dem Schlaf gerissen hat.
In diesem Zustand kaufe ich höchstens Ohropax oder Promotion-Ex. Vielleicht noch eine Schrebergartenparzelle mit hoher Hecke. Aber ganz bestimmt keinen Telefonanschluß, den dann andere Marketingabteilungen nutzen können, um das schändliche Werk zu vollenden, das ihr Fußvolk in meiner sonnigen Mittagspause begonnen hat.
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