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2004-08-03 - 14:11 - Mittags in Entenwerder

Ich muß mir das Scheitern meiner Erziehungsbemühungen beim Hund endlich eingestehen. Er pinkelt zwar kleinen alten Damen nicht mehr an die Plastikeinkaufstüten, dafür frißt er weiterhin alles, was ihm in die Quere kommt. Und falls es ihm nicht von allein in die Quere kommt, sorgt er eben dafür, daß es in Freßweite gelangt, sobald ich mal nicht aufpasse.

Vor allem aber springt er immer noch ahnungslosen Männern, die oben ohne in der Sonne schlafen, auf den Oberkörper und rammt ihnen seine lange, nasse Zunge ins Ohr. Das amüsiert die Umstehenden zwar ungemein, sogar so sehr, daß mir letzte Woche ein vor Lachen halb ersticktes junges Paar anbot die Strafe zu zahlen, die ein derart feucht Attackierter androhte, ist aber auf Dauer ganz schlecht fürs Sozialleben.

Daher muß ich mir während der Sonnentage wohl oder übel Ausweichreviere für die täglichen Freilaufrunden suchen. Das wiederum hat den großen Vorteil, daß ich so Stadtteile Hamburgs kennenlerne, die ich sonst wohl nie betreten hätte. Was zieht einen schnöseligen Innenstadtbewohner schon nach Rothenburgsort? Eben. Gar nichts.

Für Besitzer hektischer Vierbeiner aber ist die große Wiese dort unterhalb der Elbbrücken ein Freilaufparadies, in dem der Hund sich austoben und dank großer Mäusepopulation auch noch selbst fürs Abendessen sorgen kann. Da sie eine der wenigen ganz offiziellen Hundewiesen Hamburgs ist, muß ich mir ausnahmsweise mal keine Sorgen um Attacken auf Schlafende machen und kann lächelnd mit den Schultern zucken, wenn Wagemutige dort trotz der großen Hunde-Schilder grillen und mein Monster ihnen das Fleisch vom Teller klaut.

Außerdem trägt das weitläufige Grün den hübschen Namen "Entenwerder", was für mich als Besuchsgrund allein schon völlig ausreichend wäre. Das wirklich Spannende aber sind wie üblich die Menschen, auf die man dort trifft - und zwar nicht nur Herr Kid, der dort auch gelegentlich beim Spazierengehen gesichtet wird. Sozialstudien galore.

Entenwerder1.jpg

Dank meiner Ausflüge nach Entenwerder weiß ich jetzt z.B., wer diese voluminösen weißen Damenunterhosen bei C&A kauft. Und daß die Unterwäsche nicht nur dazu dient, einen unbändigen Hintern Größe 56 im Zaum zu halten. Auf der Hundewiese liegt nämlich regelmäßig eine Frau in all ihrer nackten Pracht, die sich selbst in Kontaktanzeigen bestimmt als Rubensfrau beschreibt. Nur ihr Kopf ist zum Schutz vor der Mittagssonne bedeckt - von ihrer riesigen Unterhose, unter der locker auch zwei Köpfe Platz hätten. Da hält selbst mein Hund respektvoll Abstand.

Mein Lieblingsplatz liegt allerdings ein paar Meter neben der Hundewiese. Dort ist eine Stelle, an der mutige Menschen mit dem Auto ein kleines Boot zu Wasser lassen können. Allerdings gibt es keine besonderen Hilfsmittel für dieses Unterfangen, nur einen gepflasterten Weg, der direkt ins Wasser führt. Ein weniger erfahrenes Duo nutzte diese Gelegenheit letzte Woche prompt, um den halben Polo unter Wasser zu setzen und mußte schließlich von der Polizei wieder an Land gezogen werden. Natürlich hatte ich ausgerechnet an dem Tag meine Kamera nicht dabei.

Entenwerder2.jpg

Neben diesem Weg ins Wasser steht eine kleine Bank, von der aus meist ein Mann mittleren Alters das Geschehen beobachtet. Ich habe eine Weile gebraucht, bevor ich mich getraut habe ihn anzusprechen. Dann aber kamen wir gleich sehr freundlich ins Gespräch, so von Hundebesitzer zu Hundebesitzer. Der Mann nutzt nämlich seinen Ausgang aus der Klinik, um einen Stoffhund auszuführen, den er stets unterm Arm mit sich herumträgt. Seither bin ich bestens darüber informiert, wieviel Auslauf so ein Stoffhund täglich braucht (den "Stoff"-Teil sollte man sich allerdings besser sparen im Gespräch, sonst ist der Hund beleidigt und pinkelt bei nächster Gelegenheit ins Bett) und was er am liebsten frißt.

Entenwerder3.jpg
Mein Hund bevorzugt weiterhin Feldmaus (Microtus arvalis) zum Mittag.


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