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2004-08-04 - 23:51 - Die Sache mit der Länge und der Breite

Herr Schulte ist zu dick. Meint er zumindest. Und deshalb muß jetzt eine Diät helfen, die Taille wiederzufinden. Irgend jemand aus dem weitläufigen und überwiegend weiblichen Bekanntenkreis von Herrn Schulte hat ihm zu einer Ananas-Diät geraten. Ananas, so die Theorie, hat irgendwelche Enzyme, die das böse Fett ganz fix wegschmelzen lassen (vermutlich wird Pizza Hawaii aus diesem Grund gern mit doppelt Käse bestellt, die Ananas wird's schon richten).

In der Praxis erwies sich diese simple Diät jedoch schnell als tückisch. Herr Schulte aß Montag ein kleines Mittagessen mit viel Gemüse und wenig Reis. Ansonsten nur Ananas. Er wiederholte dieses Programm am Dienstag. Gemüse, Reis und sehr viel Ananas. Am Mittwoch hatte die permanente Säurezufuhr seinen Mundraum bereits derart angegriffen, daß er kaum noch sprechen konnte. Gerade eben am Telefon klang er so, als würde er auf alten Socken kauen.

Apropos Kauen, das geht jetzt natürlich auch nicht mehr besonders gut. Aber wahrscheinlich ist genau das das Erfolgsgeheimnis der Ananas-Diät.

Ich hingegen setze meine Hoffnungen ja eher auf Sport. Das ist zumindest interessanter und abwechslungsreicher als Ananas - und vielleicht auch nicht ganz so schmerzhaft. Und man wird mit erhellenden Begegnungen in der Damenumkleide belohnt. Ich balancierte grad auf einem Fuß und hantierte mit meinen Socken, als mich plötzlich das Gefühl überkam winzig zu sein. Mit 1,82 m bin ich nicht unbedingt klein geraten, aber entweder hatte ich dank der Kombination von Sport und Hitze spontan das an Länge verloren, was eigentlich in der Breite weg sollte, oder die Frau neben mir war absolut riesig.

Ich starrte sie also immer wieder aus den Augenwinkeln an und verstand zum ersten Mal, wie sich kleine Frauen sonst neben mir fühlen müssen. Außerdem grübelte ich, ob ich sie wohl nach ihrer Größe fragen könnte. Bestimmt wird die Ärmste zehnmal häufiger nach ihrer Größe als nach ihrem Namen gefragt und hat es satt, ständig von wildfremden Menschen angestaunt zu werden. Wahrscheinlich bitten jede Menge japanischer Touristen um ein Foto mit ihr. Da muß ich nicht auch noch ... Oder doch?

Ich konnte es mir schließlich nicht verkneifen. Ganz so, als würde irgendeine beliebige Zahl das Phänomen ihrer Größe greifbarer machen. Ich hab also zaghaft gefragt und "1,94 m" als Antwort erhalten. Und mich gleich darauf fürchterlich geschämt, weil ich nicht mal halbnackte Frauen in der Umkleide verschonen kann.

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