Ich muß mal wieder Abbitte leisten. Ich habe mich nämlich bislang immer sehr lästerlich über die diversen Beach Clubs in Hamburg geäußert. Natürlich ohne vorher alle genauer in Augenschein zu nehmen, denn die Lizenz zum Rumkritisieren kann man sich bekanntlich ganz einfach ohne jegliche Fachkenntnis selbst verleihen. Also habe ich genörgelt über die Unsitte, tonnenweise dreckigen Sand anzukarren und zwei Palmentöpfe aufzustellen, um urbanen Hipstern in Hüfthosen allabendlich ein paar Stunden Café-del-mar-Flair vorzugaukeln.
Aber gestern abend bin ich dann schwach geworden und habe mich von Marc und Frank, meinen Lieblingsschwestern, in das Original, den Hamburg City Beach Club entführen lassen. Und siehe da, ich war entzückt. Allerdings braucht es auch nicht viel, um mich an einem lauen Sommerabend in Verzückung zu versetzen. Das perfekte Wetter genügt völlig. Schon kurz nachdem wir die ersten sonderbesteuerten Alcopops getrunken hatten (an der Getränkeauswahl darf noch gearbeitet werden), bohrte ich höchst zufrieden meine Zehen in den so gar nicht dreckigen Sand, ließ mich vom leisen Baß der sehr entspannten Musik an den Füßen kitzeln und beobachtete die angenehm normalen Menschen um mich herum.
Natürlich tummelte sich dort auch das obligatorische, rettungslos überstylte Trend-Volk mit den wirklich coolen Jobs, über die ohne Unterlaß mit etlichen Dezibel berichtet werden muß, und es gibt auch die wirklich toughen Jungs mit den überzüchteten Muskeln und dunklen Sonnenbrillen. Aber insgesamt stimmt die Mischung. Ganz im Gegensatz zum Lago nebenan, wo sich die Produktionsassistentinnen zu fortgeschrittener Stunde die winzigen Versace-Tops vom ausgemergelten Leib reißen und zur Freude der anwesenden Männer die Nixe im Pool geben.
Trotz allem wird mich niemand in den Beach Club auf der Langen Reihe schleppen können, der sich dort in einer Baulücke zwischen zwei hohen Häusern eingerichtet hat. So amüsant der Anblick der flanierenden Tucken auch sein mag, Sand ohne Blick aufs Wasser ist auch in den seltenen Phasen extremer Hipness nur ein lästiges Übel und macht noch lange keinen Beach Club. Ganz egal wie viele Palmen sie auch aufstellen.
Sichtlich irritiert vom vielen Sand scheint übrigens auch unser Ex-Senator Ronald Barnabas "Gnadenlos" Schill zu sein. Der hatte nämlich nach der Wahl hoch und heilig versprochen, es endlich seinen Vorbildern gleichzutun und nach Südamerika auszuwandern. Statt dessen treibt er sich immer noch in der Party-Szene rum und wurde gestern abend auch im Beach Club gesichtet. Vermutlich hat ihm bloß niemand erklärt, daß eine Woche gutes Wetter und ein paar Tonnen Sand noch lange nicht bedeuten, daß er am Ziel seiner Träume angekommen ist. Bis Südamerika ist es immer noch sehr weit und je eher er sich auf den Weg macht, desto glücklicher werden alle Beteiligten sein.

Bei Brainstorms gibt es übrigens ein sehr putziges
Interview mit mir zu lesen mit zum Teil ... erstaunlichen Fragen. Und hier gibt es das passende Bild dazu.
Die Nachricht des Tages aber ist natürlich eine andere:
Der Spiegel kehrt zur alten Rechtschreibung zurück und fordert Verlage auf mitzuziehen. Ha! Doppel-Ha! Ich liege wieder voll im Trend. Ach was, ich bin ein absoluter Trendsetter, ich elender Reformverweigerer. Laßt die Delphine tanzen.
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