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2004-08-14 - 21:47 - Schwarze Vierbeiner am Freitag den 13ten

Ich glaube nicht an Unglückstage oder schwarze Katzen unter Leitern. Wirklich nicht. Aber gestern kamen mir ernste Zweifel an meiner Lebensphilosophie. Vielleicht sollte ich den nächsten Freitag dieser Art doch gleich im Bett verbringen und Leitern meiden, oder so ähnlich. Dabei fing der Tag äußerst erfreulich an, zu früh, aber mit einem guten Frühstück. Nur eine Stunde später fühlte ich mich in einen alten Slapstick-Film katapultiert, schwarz-weiß und mit Klavierspieler.

Ich hatte mich motiviert am Schreibtisch niedergelassen, bloß um festzustellen, daß während der Nacht nicht nur der Keller voller Wasser gelaufen und nun Heimat eines Froschs war, sondern bei der Gelegenheit auch der Blitz die gesamte Telefonanlage außer Gefecht gesetzt und uns erfolgreich von der Außenwelt abgeschnitten hatte. Während ich noch versuchte, einen desinteressierten Techniker der Telekom von der Dringlichkeit meines Anliegens zu überzeugen, hörte ich aus den Räumen unter mir plötzlich wildes Gekreische.

Unten angekommen traf ich auf meine Mutter, die Obszönitäten durch die Gegend schleuderte und wild mit den Armen fuchtelte. Mit etwas Mühe konnte ich ihrem ununterbrochenen Strom an Verbalinjurien entnehmen, daß sich der Dackel seiner Verdauungsreste auf dem handgeknüpften Seidenteppich entledigt hatte, während mein Hund damit beschäftigt war, ein riesiges Stück Manchego, Lieblingskäse meiner Mutter, vom Tisch zu klauen.

Die Zuständigkeiten wurden nach den Besitzverhältnissen verteilt und ich war nur zu gern bereit, meiner Mutter die Exkrementbeseitigung zu überlassen und mich statt dessen auf die Jagd nach dem Käsedieb zu begeben. Ein schwerer Fehler. Schon in der ersten Kurve rutschte mein Hund auf dem glatten Parkett aus und in eine große Bodenvase hinein. Ich konnte ein endgültiges Umkippen gerade noch verhindern, goß mir aber einen großzügigen Schwall Wasser über die Beine. Um nicht überall feuchte Spuren zu hinterlassen, zog ich die Schuhe aus und nahm die Verfolgung auf Strümpfen auf.

Nächster schwerer Fehler. Der durchfallgebeutelte Dackel hatte nämlich bereits an anderer Stelle seine Spuren hinterlassen, wie ich zu spät und leider nur zart bestrumpft feststellen durfte. Ich riß mir angewidert die Socken von den Füßen, fluchte noch lauter als meine Mutter und stürmte wutentbrannt weiter. Endgültig schwerster Fehler. In einem weniger aufgebrachten Zustand hätte ich mich nämlich bestimmt daran erinnert, daß unser Haus gut 170 Jahre alt ist und seine wechselvolle Geschichte nicht nur in den Fachwerkwänden und schiefen Böden, sondern auch in einigen sehr niedrigen Türrahmen verewigt hat.

Ausgerechnet der nächste Türrahmen war einer der ganz alten Machart und nicht für wütende, hochgewachsene Menschen bestimmt (fast hätte ich "kopflose Menschen" geschrieben, aber mir war mein Kopf selten deutlicher bewußt). Ich rammte den Rahmen ziemlich genau mit der Mitte meines Schädels und als meine Mutter sich endlich die Tränen aus den Augen gewischt hatte, zierte eine riesige eiförmige Beule meinen Kopf. Ich sah aus wie eine neurotische amerikanische Hausfrau, die sich die Haare nach einer Überdosis Aufputschmittel toupiert hat.

Den Rest des Tages verbrachte ich mit kalten Lappen im Bett. Also dort, wo ich besser gleich geblieben wäre.

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