# Achtung, was jetzt folgt ist reinste chick lit. Menschen ohne Sinn für überflüssige Probleme und solche, die sich den Glauben an die natürliche Schönheit der Frau bewahrt haben, mögen den heutigen Eintrag bitte überspringen. --
Plötzlich macht es mir gar nichts mehr aus, daß ich das Haus aus Angst vor rachsüchtigen Senioren nur noch nach Anbruch der Dunkelheit verlassen kann. Selbst ohne Rentner auf meiner Fährte würde ich bei Tageslicht nicht mehr vor die Tür gehen können - zumindest nicht unverschleiert.
Ich habe nämlich gestern abend noch mit Schönheitsmittelchen experimentiert, ich Depp. Dabei sollte ich es inzwischen besser wissen. Mangels großer Schwester und mit älteren Cousinen gesegnet, die damals komplett ohne Make-up dafür mit selbstgestrickten Pullovern und Palästinensertüchern vermummt durch die Gegend liefen, fehlte es mir in der entscheidenden Prägephase an lehrreichen Vorbildern.
Ich habe vieles nachgeholt, kann inzwischen auch im Auto unfallfrei Nägel lackieren und mir ohne bleibende Schäden die Augenbrauen zupfen, aber ich verkenne gerne mal meine eigenen Grenzen. So auch gestern, als mir dieses Augenbrauenfärbemittel in die Hände fiel. Meine Augenbrauen halten nämlich keiner kritischen Begutachtung stand. Sie sind viel zu spärlich behaart und wirken dadurch ungeschminkt immer etwas ... karg.
Natürlich hätte ich viel lieber diese dichten, dunklen geschwungenen Bögen französischer Schauspielerinnen. Wenn man mir schon Arroganz und Bissigkeit unterstellt, dann sollte ich doch wenigstens danach aussehen. Und genau das versprach dieses Mittel. Es macht bestimmt keinen Sinn, sich die Augenbrauen schwarz zu färben, wenn die Haare ohnehin von Natur fast schwarz sind. Aber appellieren Sie doch bitte nicht an meinen Verstand, wenn es um mein Aussehen geht. Ich kann immer nur eines, mich entweder um mein Aussehen kümmern oder mich wie ein vernunftbegabtes Wesen verhalten.
Meist entscheide ich mich für letzteres, aber gestern war nun mal das Aussehen dran. Ich tränkte meine Augenbrauen also frohgemut mit einer farblosen Flüssigkeit, wartete ein paar Minuten und trug dann das Gel zur Fixierung auf. Die Spannung erinnerte an die Experimente mit unsichtbarer Tinte in frühen Kindertagen. Zuerst sieht man gar nichts, dann erscheinen wie von Zauberhand Linien auf dem Papier - bzw. dicke schwarze Balken im Gesicht. Und jede Menge Flecke an den Fingern.
Übersehen konnte man meine Augenbrauen jetzt ganz bestimmt nicht mehr. Die Härchen selbst waren zwar nicht erkennbar dunkler (wie sollten sie auch bei fast schwarzem Ausgangston), dafür hatte sich die Farbe ganz wunderbar in die Haut gefressen. Und dort wollte sie auch unbedingt bleiben, sowohl an den Fingern als auch im Gesicht. Ich begann sofort panisch mit allen verfügbaren Mitteln am neuen Balkenlook herumzuschrubben, entfernte dadurch aber höchstens die Haare, nicht die Farbe.
Eine halbe Stunde später war die Haut um die unverändert schwarze Farbe feuerrot und ich trug Wülste anstelle von Augenbrauen, wie sie die Welt seit dem Aussterben der Neandertaler nicht mehr gesehen hat. Und da wurde mir klar, wo der Fehler lag. In der Gebrauchsanweisung stand, die Haut solle möglichst sauber und fettfrei sein. Der besseren farblichen Haltbarkeit wegen. Meine Haut ist aber nicht nur fettfrei, sondern ziemlich trocken. Beste Haltbarkeit also. An ihr haftet einfach alles und das für sehr lange Zeit. Und genau das hätte ich wissen müssen.
Auf dieses dermatologische Gimmick bin ich nämlich schon vor einigen Jahren schmerzhaft reingefallen. Ich wollte abends auf eine ganz wichtige Party und hatte mir nachmittags überlegt, daß ich das umständliche Rasieren der Beine leid war. Wachs sollte her, scheiß auf den Schmerz. Alle anderen Frauen nutzen das auch, kann ja nicht so schwer sein. Ich kaufte also diese blauen Kaltwachsstreifen, setzte mich aufs Sofa, pappte zwei Streifen auf den rechten Unterschenkel, wartete einen Moment und riß dann beherzt am Papier.
Kein Schmerz. Wow. Allerdings auch keine Haare am Papier. Noch nicht mal blaues Wachs, das klebte nämlich nach wie vor auf dem Unterschenkel. Das Wachs war ohne Vorwarnung eine recht dauerhafte Verbindung mit der trockenen Haut am Schenkel eingegangen und wollte ohne Gewaltanwendung auch nicht wieder davon ablassen. Ich probierte es mit heißem und kaltem Wasser, mit und ohne Seife, mit Nagellackentferner und reinem Alkohol, kratzte schließlich vorsichtig mit einem Messer daran herum.
Aber trotz aller Manipulation blieben immer klebrige, blaue Wachsreste am Bein zurück. Also probierte ich es mit Ignorieren und zog zarte Strümpfe darüber, die natürlich jedes Mal festklebten und beim geringsten Zug zerrissen (für solche Experimente empfehle ich dringend halterlose Strümpfe statt Strumpfhosen, da reicht eine Packung für zwei Versuche). In meiner Verzweiflung, es wurde immer später und ich hatte noch genau ein Paar Strümpfe, griff ich schließlich zum guten alten Bimsstein und entfernte das restliche Wachs mitsamt der Haut, an der es klebte.
Jetzt hatte ich tatsächlich Schmerzen und für Wochen eine große Schürfwunde am Unterschenkel. Das einzige, was bei dieser Aktion völlig unbeschädigt blieb, waren die zu entfernenden Haare.
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