Geschafft. Zwei Festplatten und etliche vergeudete Gigabyte später besitze ich wieder einen funktionsfähigen Rechner. Keinen anständigen, wie ich jetzt gelernt habe, aber einen halbwegs tauglichen. Das allerdings hat nicht nur mich, sondern auch mein Umfeld Nerven gekostet und bedurfte einiger Besuche beim Fachhändler. Zumindest stand „Fachhändler“ außen an der Tür. Ich wurde ja bereits mißtrauisch, als ich im Laden statt der üblichen Schrauber mit Geek-Flair nur kleine, klemmige Männer mit Krawatte antraf. In Jeans und T-Shirt, meinem üblichen Schreibtisch-Outfit, und so ganz ohne Make-up fühlte ich mich nicht richtig ernstgenommen.
Dementsprechend kläglich fiel auch der Service aus. Um das zu ändern, mußte ich erst im kleinen Business-Kostüm mit Zickenschühchen, voller Camouflage-Bemalung und meinem besten „I’m-not-amused“-Gesichtsausdruck auftauchen. Das half – zwar nicht dem Rechner, aber bei der Behandlung der von technischen Ausfällen gequälten Kreatur. Warum die Leute in dem Laden bei meinem letzten Besuch allerdings gleich in Deckung gingen, kann ich mir auch nicht erklären. Ich bin ein freundlicher und höflicher Mensch. Wirklich.
Wieder aufgetaucht ist im Zuge der Aufräumarbeiten übrigens auch der letzte Blog-Eintrag. Etwas veraltet, aber noch zu frisch für die Altbyte-Sammlung:
Berlin schafft mich - wie man unschwer auch an der schändlichen Vernachlässigung meiner Leser hier erkennen kann. Aber ich gelobe Besserung. Und mehrwöchige Berlinabstinenz. Statt dessen steht ein Kurzausflug nach Bochum auf dem Programm, was aufgrund familiärer Überraschungselemente auch mit gewissen Unwägbarkeiten verbunden ist, aber auf dem Gebiet bin ich bekanntlich gut im Training.
Immerhin habe ich in Berlin den Hund nicht gänzlich vernachlässigt und täglich Zeit für einen ausgiebigen Spaziergang im Grunewald gefunden. Dank meines großartigen Orientierungssinns, der sich locker mit dem einer toten Kuh messen kann, läßt sich die Länge eines solchen Spaziergangs vorher schwer abschätzen. Schließlich weiß ich nie so genau, wo ich lande. Am letzten Tag z.B. fanden wir uns auf einer kleinen Anhöhe wieder und blickten unverhofft auf den Grunewaldsee.
Als wir uns der kleinen Badestelle näherten, mußte ich nicht erst die Schilder lesen um festzustellen, daß wir uns im Revier der Nacktbader befanden. Am späten Vormittag hielten sich hier bevorzugt ältere Herren auf, deren sorgsam gepflegter Wohlstandsbauch in den meisten Fällen freundlicherweise den Blick aufs Gemächt verwehrte. Außer mir waren noch zwei weitere Frauen mit Hund am Wasser. Eine nackt, den Hund an der Leine. Die andere bekleidet, dafür mit freischwimmendem Hund.
Der ideale Nährboden für einen handfesten Kampf der Kulturen. Und es dauerte auch nicht lange, bis die Nackte ihre Schwimmversuche aufgab und sich vor der vollständig bekleideten Hundebesitzerin aufbaute. Bedrohlich vor ihr aufbaute, was nackt alles andere als einfach ist.
Nackte, auf die Schilder deutend: "Das hier ist ein Nacktbadestrand."
Bekleidete, verächtlich schnaubend: "Das kann ich sehen." Gekonnter Blick von oben nach unten, irgendwo zwischen Mißbilligung und Verachtung, wie er in manchen Familien über Generationen hinweg von Frau zu Frau weitergegeben wird.
Nackte, noch einen Zentimeter näherrückend: "Und warum lassen Sie dann Ihren Hund hier baden?"
Bekleidete ganz gelassen: "Er ist doch völlig nackt. Ich weiß gar nicht, was Sie haben."
Aber die Nackte hat ihren Humor offensichtlich zusammen mit der Kleidung abgelegt: "So was ist hier verboten. Das ist ein Badestrand für Menschen. Für nackte Menschen. Und Sie sind definitiv nicht nackt."
Bekleidete: "Ich will ja auch nicht baden."
Nackte, extrem genervt: "Das ist ganz egal. Sie müssen sich ausziehen."
Bekleidete, allmählich selbst genervt: "Nichts dergleichen werde ich tun. Sie sind ja verrückt."
Die Nackte greift plötzlich nach dem T-Shirt der anderen Frau und macht Anstalten, es ihr vom Leib zu reißen: "Ziehen – Sie – sich – jetzt – endlich – Aaaauuuus!"
Bevor die beiden Frauen ernsthaft über einander herfallen können, beschließen die übrigen Nackten einzugreifen. Einige der Männer zerren die Nackte weg, die anderen halten die empörte Bekleidete mit sehr direktem Körpereinsatz zurück. Wahrscheinlich war der armen Frau die wahnsinnige Nackte noch wesentlich lieber als der eiserne Klammergriff mehrerer unbekleideter, aber sehr beleibter Männer.
Ich trat vorsichtshalber nebst Hund den geordneten Rückzug aus dem Grunewald und aus Berlin selbst an und sehnte mich plötzlich nach einem dieser Blümchenvorhänge, die in Astrix-Comics im entscheidenden Moment fallen. Erwähnte ich schon, daß Berlin mich schafft?
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