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2004-10-11 - 23:55 - Oh stört sie nicht, die Feier der Natur! Dies ist die Lese, die sie selber hält.

Vielen, vielen Dank für die Geburtstagsgrüße hier, per Mail und normaler Post. Und natürlich auch für die vielen Anrufe und die tollen Geschenke. Meine Wohnung ist blumengeschmückt, mein Bücherregal hat Nachwuchs bekommen, die CD-Abteilung auch, ich werde von Konzerten berichten können und wieder dem Haarschafledersex frönen. Ach ja, der Vodka wird auch sobald nicht ausgehen. Ich bin wirklich gerührt und fest davon überzeugt, die besten Freunde zu haben, die man sich vorstellen kann.

Trotz aller Feierei Tränen vergossen, weil D. auch mal dazugehörte und genau vor einem Jahr starb. (Mein altes Archiv kränkelt derzeit ein wenig. Ich bitte die jämmerliche Optik zu entschuldigen.)

Nachdem ich meinen wundervollen Besuch heute mittag schweren Herzens zum Zug gebracht hatte, drehte ich noch eine Hunderunde und traf dabei auf einen anderen Hundebesitzer. Der Mann war ungefähr Mitte 30, groß, hatte wuschelige Haare, ein charmantes Lächeln, einen hübschen (ebenfalls wuscheligen) Hund, der sich gut mit meinem Monster verstand, und schien außerdem einem lockeren Flirt nicht abgeneigt. Ideale Voraussetzungen also, um einen Teil der Runde gemeinsam zu absolvieren.

In einer kleinen, autofreien Gasse bei mir in der Gegend ließen wir die Hunde noch mal von der Leine und unterhielten uns. Es war knackig kalt, aber die Sonne strahlte vom wolkenlosen Himmel herab, die Bäume hatten ihr feinstes Herbstkleid angelegt und gelegentlich wirbelte ein kräftiger Windstoß das Laub durcheinander. Man konnte gar nicht anders als fortgeschrittener Glücksseligkeit zu erliegen und tief zu seufzen angesichts dieser kitschigen Bilderbuchperfektion.

Nach zwei Minuten mußte ich meinen Mantelkragen hochschlagen und etwas näher an eine Mauer heranrücken, um mich vor dem kalten Wind zu schützen. Der aber zerrte weiterhin am bunten Laub und dem wuscheligen Haar meines Begleiters. Als eben jener gerade mitten in einem sicherlich sehr tiefsinnigen Satz war, trieb der Wind es besonders doll und blies einen Apfel vom Baum. Leider fiel der kleine, rotbackige Apfel genau auf das wuschelige Haupt meines Begleiters und der daraufhin in sich zusammen.

Ich habe grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, wenn mir sympathische Männer vor die Füße fallen. Allerdings ziehe ich es vor, wenn sie das bei vollem Bewußtsein tun und ihren letzten Satz vorher beenden. In diesem Fall aber kullerte mir erst der Apfel und dann der reglose Mann vor die Füße.

Bevor ich meine nicht-existenten Erste-Hilfe-Kenntnisse bemühen mußte, leckten ihm schon beide Hunde begeistert durchs Gesicht, und der niedergestreckte Begleiter begann leise zu stöhnen und sich vorsichtig wieder aufzurichten. Leider schien der Apfel nicht nur auf seinem Kopf, sondern auch auf seinem männlichen Ego eine Beule hinterlassen zu haben. Die Ohnmacht war ihm sichtlich unangenehm, und er brachte sich eilig vor weiterem heimtückischen Obst in Sicherheit. Oder vor mir. Man weiß es nicht. Auf jeden Fall aber war ihm die Lust auf munteres Geplänkel in Herbstidylle gründlich vergangen.

*****

Zum Abschluß ein kurzer Hinweis, bevor mich noch weitere Beschwerdemails erreichen, von wegen ich würde ja nie etwas erzählen und so: Ja, in der aktuellen MacLife (11/04) ist ein lustiger Artikel über Weblogs, der schonungslos aufdeckt, daß Heiko in Wirklichkeit Herbig mit Nachnamen heißt. Aber die Domain war schon weg, also hat er sich vor Jahren in Hebig umbenannt. Und ja, es gibt auch ein Interview mit mir. Ja, ja, auch mit Foto. Aber natürlich nicht im Netz. Mehr darüber kann man hier lesen.

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