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Blogtalk Reloaded

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2004-10-13 - 12:01 - Saufende Schlampen und ihre Mütter

Gerade eben rief mich meine Mutter an. Man habe ihr die aktuelle MacLife „zugespielt“. Ihrem Tonfall nach zu urteilen hat sie das nicht unbedingt in Entzücken versetzt oder mit elterlichem Stolz erfüllt. Dabei sind positive Berichte in Printprodukten, bei denen man sich vor dem Interview nicht ausziehen muß, normalerweise gut geeignet, zumindest so etwas wie Verständnis oder gar Anerkennung für ein zeitaufwendiges Hobby zu ernten. Aber natürlich nicht in diesem Fall.

„So hab ich dich nicht erzogen“, sagt sie empört. „Meine Tochter ist keine Schlampe.“

„Ähm, danke, das hatte ich gehofft“, erwidere ich verwirrt und gehe im Geist eine Liste mit Leuten durch, die mich als Schlampe bezeichnet haben könnten. Die Liste ist zu lang für meinen Geschmack.

„Und eine Säuferin bist du auch nicht. So was weckt doch ganz falsche Assoziationen.“ Sie ist ganz und gar not amused.

„Natürlich trinke ich nicht“, beruhige ich sie und versuche, die Literflasche Vodka zu ignorieren, die immer noch auf der Fensterbank steht. Immerhin dämmert es endlich. Sie bezieht sich auf die Stelle in dem Interview, in der nach meiner vermeintlichen Disziplin beim Bloggen gefragt wird.

Ich hatte nur ehrlich geantwortet, daß ich mich bemühen würde, aber doch so ähnlich wie ein Quartalssäufer sei. Gelegentlich bricht eben die Schlampe in mir durch, und dann mache ich alles, nur nicht am Schreibtisch sitzen und schreiben. Ich erkläre ihr, daß niemand mich deshalb ernsthaft für eine saufende, verlotterte Schlampe halten würde.

Das beruhigt sie überhaupt nicht: „Dann bin ich also die Einzige, die zu doof ist, deine humorigen Einlagen richtig zu deuten?“ Der drohende Unterton gefällt mir gar nicht, und das Gespräch nimmt eine Wendung, die nicht gesund sein kann. Zum ersten Mal finde ich es eher beruhigend, daß meine Mutter nicht im Traum auf die Idee käme, sich mit Computern und Internet anzufreunden, um mein Blog lesen zu können.

Aber sie hat noch mehr gefunden, das ihr nicht behagt: „Und häßliche Füße hast du auch nicht. Sie sind ungefähr doppelt so groß wie meine, doppelt so breit und passen in keinen anständigen Schuh, aber häßlich sind sie nicht.“ Dann legt sie auf.

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