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2004-12-12 - 20:32 - König Arthurs letzte Schlacht

Mein Hund kann sich problemlos in weniger als fünf Sekunden aus seinem stabilen Geschirr befreien und braucht nicht mal zwei Sekunden, um dasselbe bei einem Halsband zu tun. Also trägt er prinzipiell ein Geschirr, damit ich wenigstens eine Chance habe zuzugreifen, sollte er es mal darauf anlegen. Das tut er allerdings nur selten, wenn ich ihn an der Leine habe. Meist gehen die Dinger beim leinenlosen Spaziergang verloren.

Er verschwindet dann im Gebüsch, bleibt hängen, windet sich raus und taucht irgendwann freudestrahlend ohne Geschirr wieder auf. Das Geschirr bleibt natürlich verschwunden, bevorzugt mit der Hundemarke daran, deren Wiederbeschaffung lästigen bürokratischen Aufwand mit sich bringt, was ab der dritten neuen Marke in einem Jahr auch unweigerlich zu kritischen Nachfragen führt.

Jetzt hat der Hund eine Technik entwickelt, die das Herauswinden aus dem Geschirr völlig überflüssig macht und Umstehende in maßloses Erstaunen versetzt. Am Donnerstag waren wir zum ersten Mal seit langer Zeit wieder auf dem Markt, und der Hund schlich eher träge durch die Gegend, nachdem man ihm an fast jedem Marktstand einen mundgerechten Happen zugeworfen hatte. Auf dem Heimweg trafen wir auf einen gelackten Mann mittleren Alters, dessen Aufmachung Pöseldorfer Teppichhändler oder Immobilienmakler schrie, und dem ein kleiner Jack Russell Terrier vor den Füßen herumsprang.

Das Monster und ich sind uns sehr einig in unserer Abneigung gegen schlecht erzogene Terrier, die als Trendhund von überbezahlten, aber unterbeschäftigten Pöseldorfern angeschafft worden sind. Der Terrier war allerdings wesentlich schneller darin, seine Abneigung gegen meinen Hund zum Ausdruck zu bringen. Er sah, sprang los und biß gleich zu.

Der Mann wedelte nur mit den Armen anstatt seine Bestie wieder einzufangen und sagte vorwurfsvoll: „Sie müssen das verstehen, König Arthur hat Angst vor schwarzen Hunden an der Leine.“ Mein Verständnis hielt sich in sehr engen Grenzen, aber ich war vermutlich einfach zu beschäftigt damit, die wild um sich beißenden Hund wieder voneinander zu trennen. König Arthur wurde schließlich ganz unroyal am Halsband gepackt und zappelnd zurück in sein eigenes Reich gebracht. Zappelnd, aber noch absolut unversehrt, wie ich betonen möchte, was auf meinen Hund zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zutraf.

Mein Hund konnte diese Niederlage in seinem eigenen Territorium natürlich nicht einfach so hinnehmen, ahnte aber wohl, daß er mit den herkömmlichen Ausbruchsversuchen nicht weit kommen würde. Also warf er sich gleich so heftig und plötzlich ins Geschirr, daß die sehr stabile Hartplastikschließe förmlich weggesprengt wurde und einen Teil der doppelten Naht gleich mitnahm. Ich betrachtete noch ungläubig das kaputte Geschirr, das verlassen am Ende der Leine baumelte, als Pitti schon damit beschäftigt war, die königlichen Terrierohren zu kupieren. Ich fürchte, König Arthur wird künftig eher vor unangeleinten schwarzen Hunden Angst haben.

Davon unabhängig, aber trotzdem passend der Ausspruch eines Besuchers, den ich zwar schon länger kenne, der aber noch nie die Zustände vor Ort begutachtet hat: „Ich dachte immer, du würdest schamlos übertreiben, aber die Wirklichkeit hier ist noch skurriler als deine Blogeinträge.“

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