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2004-12-13 - 20:10 - Rapunzel, laß dein Haar herunter

Menschliche Sexualität ist häufig eine komplizierte Angelegenheit, weil sie eben doch wesentlich mehr ist als der Gebrauch anatomisch halbwegs paßgenau geformter Körperteile. Je weiter die Phantasien des Einzelnen über den gewöhnlichen Einsatz eben jener Körperteile hinausgehen, desto schwieriger gestaltet sich die Suche nach dem passenden Pendant. Man muß aber gar nicht mal besonders komplizierte Vorlieben haben, um auf größere Probleme bei der Wunscherfüllung zu stoßen, manchmal reicht es auch, zur falschen Zeit zu leben.

Ein guter Bekannter von mir hätte etwa in den 70er Jahren noch ohne größere Probleme ein ausgefülltes Sexualleben haben können. Heute aber, da nur üppiges Haupthaar noch als erstrebenswert gilt und selbst das gemeine Schamhaar vom Aussterben bedroht ist, landet er schnell in der sexuellen Spezialitätenecke mit seinem Wunsch nach haarigem Wildwuchs am weiblichen Körper. Seine Kontaktanzeigen erscheinen zusammen mit denen von Schweißfußenthusiasten und erwachsenen Windelträgern in Kategorien, die bevorzugt von Professionellen gelesen werden, und entsprechend befriedigend gestaltet sich sein Privatleben.

Aber auch die Anbahnung in freier Wildbahn hat ihre Tücken. Als er kürzlich in einem Café zufällig eine Frau beobachtete, wie sie sich räkelte und dabei büschelweise naturbelassenen Achselhaarwuchs aus dem Oberteil ranken ließ, wähnte er sich an den Pforten zum Paradies. Er drückte ihr seine Telefonnummer in die Hand mit den Worten „Rufen Sie mich auf jeden Fall an, ich erkläre Ihnen das alles später“ und trat mit letzter Kraft die Flucht an die frische Luft an.

Leider hatte er dabei nicht bedacht, daß ungezügelte Achselhaarpracht nur in ganz bestimmten sozialen Nischen gedeiht und zwar nicht unbedingt in jenen Nischen, in denen hemmungslose Sexualität mit wildfremden Körperbehaarungsfetischisten propagiert wird. Die Dame rief ihn an, er erläuterte sein Anliegen und wies vorsorglich darauf hin, daß man ja auch nicht unbedingt gleich heiraten müsse. Sie war leider mehr um sein Karma, seine Aura oder sonstige Energiefelder als um seinen Triebstau besorgt und schenkte ihm statt gemeinsamer Stunden einen Heilstein. Den kann er jetzt nutzen, um die vielen unbeantworteten Kontaktversuche auf seinem Schreibtisch zu beschweren.

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