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2004-12-30 - 01:17 - Zu früh gerutscht

Bei meinem letzten Eintrag habe ich die unglaublichste aller diesjährigen Weihnachtsüberraschungen glatt unterschlagen. Vermutlich einfach deshalb, weil sich noch niemand so ganz davon erholt hat. Marcs Vater, jugendliche 61, rief Heiligabend an und verkündete, daß Marcs Tage als verwöhntes Einzelkind gezählt sind. Seine 30 Jahre jüngere Freundin (die damit noch ein bißchen jünger ist als Marc selbst, was ich hier natürlich gar nicht sagen dürfte, denn Marc gibt sein Alter lieber tagesformabhängig mit irgendwas unter 30 an) ist ungeplant schwanger geworden und hat jetzt noch knapp ein halbes Jahr, um wenigstens das Drumherum zu planen.

Marc und ich werden die Zeit nutzen, um künftiges Babysitting und Ausflüge mit Kinderwagen rund um die Alster zu planen. Das dürfte einige Leute schwer verwirren und andere bestätigen, die den Verdacht, Marc und ich könnten doch heimlich ein Paar sein, nie ganz zu den heterosexuellen Akten gelegt hatten. Insgesamt aber ist die Überraschung nicht einfach zu verdauen, denn Marc hat nicht nur plötzlich mehr Familienanhang, sondern bekommt auch deutlich vor Augen geführt, was er vermutlich nie haben wird. Ich sehe rotweingeschwängerten Abenden entgegen.

Gänzlich unalkoholisiert erwischte mich heute eine Überraschung der etwas anderen Art, mit der ich meinem schlechten Ruf als Unglücksmagnet alle Ehre mache: Ich habe mir schon wieder eine Beule geholt und sollte mein Elternhaus wegen der dramatischen Folgen für die Gesundheit künftig besser meiden. Oder Sturzhelm tragen. Dieses Mal war allerdings nicht der Türrahmen, sondern das vereiste Kopfsteinpflaster auf dem Hof Schuld an der Misere.

Es war bereits mittags, die Sonne schien und das Thermometer zeigte satte fünf Grad. Das Blitzeis von der Nacht zuvor war nur noch eine dunkle Erinnerung, als ich beschwingt das Haus verließ, um mit dem Hund spazieren zu gehen. Ich kam ungefähr drei Schritte weit, dann landete ich nicht minder beschwingt mit einem heftigen Knall auf der linken Seite, während Handy und Brille fröhlich noch zwei Meter weiter schlitterten (seither hüpft die „2“ immer ganz aufgeregt und will sich aus dem Staub machen, wenn das Handy vibriert).

Mein Hund hielt sich irrtümlich für einen Schweizer Bergrettungshund und versuchte, mich durch freundliches Lecken im Gesicht zum Aufstehen zu animieren, während ich mühsam meine Knochen sortierte. Wider Erwarten befanden sich noch alle Körperteile an Ort und Stelle, nur einige davon schon im Prozeß der Ausdehnung. Das linke Knie sieht dem rechten so gar nicht mehr ähnlich, was allerdings die Wahl der Bekleidung für die Party morgen abend ungemein erleichtert, und die Hüfte ist ernstlich geprellt.

Als ich mich gerade wieder ein wenig berappelt hatte, um wenigstens die mütterliche Fürsorge vom Krankenbett aus zu genießen, nahm der feindselige Tag abermals eine unerquickliche Wendung und hinterließ auch noch mein zartes Seelchen unangenehm geprellt (Seelchen dehnen sich dabei natürlich nicht aus, sondern ziehen sich schmerzhaft zusammen). Die Seelenprellung war aber immerhin für die nutzlose Erkenntnis gut, daß das rituelle Verbrennen von Dokumenten im Kamin nicht nur albern / pubertär / übertrieben theatralisch ist, sondern auch völlig spaßfrei, wenn Kopien davon auf der Festplatte verbleiben. Das Löschen der Sicherungskopie wiederum ist mangels Ascheresten oder sonstiger Manifestation auch nicht so richtig befriedigend. Zeit erwachsen zu werden, zumindest in diesem Punkt.

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