Bevor diese sinnlosen Mutmaßungen über die Existenz oder potentielle Protagonisten meines Sexuallebens weitergehen, werfe ich lieber frisches Futter in die Manege. Ich hoffe, Ihr seid gut und mindestens ebenso vergnüglich wie ich ins neue Jahr gerutscht. Für die Frauen unter meinen Lesern gibt es auch gleich den ersten Termin des Jahres zu verkünden: Wer am Abend des 21. Januar noch nichts im Kalender stehen kann, könnte sich dort eine kleine, heitere Lesung eintragen. Ich habe Frau Julie und Frau Chile nämlich so lange mit Anfragen genervt, bis sie sich endlich bereit erklärten, aus Berlin anzureisen und mit mir in einem sehr netten Frauen-Sex-Shop in Hamburg-Winterhude schmutziges Zeug zu lesen.
Wenn ich Frauen sage, dann meine ich übrigens auch genau die. Der Abend ist Ladies only und es empfiehlt sich, die Karten frühzeitig zu kaufen, besonders viele gibt es davon nämlich nicht. Dafür kann im Anschluß an die Lesung noch nach Belieben durch die Artikel zur Ehehygiene geguckt und über Vibratoren gefachsimpelt werden.
Ich habe das alte Jahr endlich mal wieder in Hamburg und mit engen Freunden verabschiedet, anstatt auf eine große Party mit noch größerer Irrenquote zu laufen. Es gab reichlich zu essen und die Köchin war mit der Gebratenen per Du. Die Gastgeber hatten den Tisch äußerst liebevoll dekoriert, Partyhütchen und Tröten inklusive, und in etwas verwandelt, das erschreckend an längst vergessene Silvester erinnerte, bei denen man die Füße noch unter dem elterlichen Tisch parkte.

Was damals aber noch ein diffuses Gefühl von Peinlichkeit hervorrief, sorgte jetzt für großes Entzücken bei allen Gästen. Und mir ist endlich klar geworden, warum unsere Eltern immer mit diesen albernen Utensilien und Ritualen ins neue Jahr tanzen wollten. Es ist nämlich nicht mal mir möglich, eine anständige Jahreswechseldepression zu entwickeln und am Silvesterabend trübsinnig mit dem dritten Glas Vodka auf dem Fußboden sitzend über die Niederlagen des letzten Jahres nachzudenken, wenn mir gleichzeitig Luftschlangen von den Ohren baumeln und ein hexenhaftes Partyhütchen schief auf dem Kopf thront. Wer sich derart würdelos in der Öffentlichkeit zeigt, kann sich auch gleich hemmungslos amüsieren.
Deshalb umfaßt die Liste der guten Vorsätze fürs neue Jahr auch nicht das übliche Sammelsurium aus dem Inhaltsverzeichnis von Schöner Wohnen und Besser Leben. Statt dessen gibt es drei Projekte, von denen zwei unbedingt, komme was wolle, in diesem Jahr erledigt werden müssen und nur eins, nämlich Robbie Williams in mein ausuferndes Sexualleben zu integrieren und dann zu ehelichen, je nach Großwetterlage auch noch mal verschoben werden kann.
Gegen zwei Uhr nachts habe ich dann etwas verspätet auch noch die Mahnung aus meinem Glückskeks mit auf die Liste gehievt: „Machen Sie sich häufiger Luft. Fressen Sie Ihren Ärger nicht immer nur in sich hinein.“ Seht Euch also vor. Statt Ärger hab ich dann jede Menge Glückskeks konsumiert und wurde bei der Gelegenheit mit spöttischem Gelächter darauf aufmerksam gemacht, daß ich anscheinend der einzige Mensch auf der Welt bin, der die Kekse nicht nur ißt, sondern das auch noch mit großem Vergnügen tut.
Weniger vergnüglich gestaltete sich der Jahreswechsel bedauerlicherweise für den Hund, der schon ab 22 Uhr zitternd und hechelnd auf meinem Schoß hockte und gegen Mitternacht erst unter dem Tisch, und schließlich in der Altschuh-Sammlung unter dem Bett des Gastgebers verschwand. Da er sich strikt weigerte, den Schuhhaufen wieder zu verlassen, verlagerte sich ein Teil der Party vorübergehend ins Schlafzimmer, was der Stimmung aber keinen Abbruch tat. Ich wünschte nur, es hätten nicht alle hektisch zu den Kameras gegriffen, sobald ich mit Kopf und Schultern unter dem Bett verschwand, um nach dem Hund zu sehen. Ich hoffe, mein Hintern hat Eure Linse gesprengt, garstiges Pack.

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