Hamburg mag als moderne Großstadt dem moralisch-sittlichen Verfall geweiht sein, aber zum Glück gibt es noch ein kleines Häufchen anständiger Bürger, das sich, obwohl umzingelt von Schmutz in allen erdenklichen Varianten, tapfer den wilden Horden entgegenstellt. Vor allem dann, wenn die wilden Horden, besser bekannt als „diese Leute“, maskiert und mit Schnorcheln auf dem Kopf daherkommen. Derart bekleidet präsentieren sich nämlich die Gäste des Café SittsaM der unvorbereiteten Öffentlichkeit, glaubt man der Mieterversammlung des entsprechenden Hauses.
Und weil ganz offensichtlich weder die Behörden („kein Verstoß gegen die guten Sitten“) noch die Hauseigentümer gewillt sind, dem schändlichen Treiben ein Ende zu setzen, muß man halt notgedrungen die Presse einschalten, damit die endlich mal wieder eine Schlagzeile mit dem Unwort „Sadomaso“ präsentieren kann. Ich persönlich kenne zwar niemanden, der auf dem Trockenen einen Schnorchel trägt, aber was weiß ich schon. Die Mieter in meiner Gegend frönen schließlich anderen Perversionen.
Vielleicht haben die Bewohner des Hauses auch nur zuviel RTL2 geguckt oder aber eine besonders blühende Phantasie. Letzteres legt auch die Geruchsbelästigung nahe, die man wahrgenommen haben will. Wie sollen da bitte Gerüche entstehen, die über die üblichen gastronomischen Ausdünstungen hinausgehen? Gibt es wirklich so viele Sexualpraktiken, von denen ich noch nie etwas gehört habe? Extreme-Perfuming etwa? Und ist das der Grund, warum die Gäste angeblich alle mit Schnorcheln ausgerüstet anrücken?
Doch damit nicht genug. Die Gäste sollen sogar Hundehalsbänder tragen, und das geht angesichts der Kinder, die auch in dem Haus leben, nun wirklich zu weit. Die Erkenntnis, daß auch ganz normale Erwachsene Hundehalsbänder tragen, und nicht etwa nur punkige Schulfreunde oder Gaultier-Models, ist wirklich zu erschütternd. Wo kommen wir denn da gesamtgesellschaftlich betrachtet hin, wenn Symbole pubertären Aufbegehrens plötzlich alters- und klassenunabhängig von jedem getragen werden können. Wenn das so weitergeht, kommt Papi eines Tages mit einem abgebrochenen Mercedes-Stern um den Hals nach Hause. Pfui Teufel.
Doch nicht nur die Weltanschauung der Kinder ist gefährdet, auch die ahnungsloser Touristen. Die landen nämlich in dem harmlos wirkenden Café und glauben, sie könnten einfach so Kaffee und Kuchen bestellen. Und dann? Ja und dann tun „diese Leute“ unaussprechliche Dinge in dem weitverzweigten Kellerlabyrinth, von dem eine Mieterin weiß, und womöglich gibt es dazu noch nicht mal Kuchen. Ein Skandal ist das. Da darf man sich nicht wundern, wenn die Touristen ausbleiben und statt dessen lieber nach Wien reisen, wo es trotz SM-Café noch Kaffeehauskultur gibt.
Aber ich hätte da die rettende Idee. Wie wäre es, lieber Mieter der Wexstraße 42, wenn wir Untermieter tauschen. Ihr bekommt meine Teenie-Techno-Mafia und ich dafür Eure Perversen. Der Keller hier erinnert sowieso an ein Verlies, und bei Bedarf könnte ich auch noch mit Hundehalsbändern aushelfen.
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