Man konnte heute in diversen Blogs lesen, der Frauentag sei völlig überflüssig, zumindest hier in Deutschland, den geplagten Chinesinnen würden man ihn durchaus zugestehen, und wo bleibt eigentlich der Männertag usw. Dem kann ich natürlich nur beipflichten. Die Gleichberechtigung hat wirklich tolle Fortschritte gemacht in den letzten zehn Jahren, und das obwohl „Emanze“ in meiner Generation immer noch als Schimpfwort gebraucht wird, Alice Schwarzer als ungefähr so cool wie eine Zahnspange gilt und die meisten Frauen sich schneller vom Feminismus distanzieren als Politiker von ihren Nebeneinkünften.
Im Zuge der grandiosen Entwicklung der letzten Jahre haben sich zum Beispiel die Titelthemen von Männer- und Frauenzeitschriften immer mehr angeglichen. Männer dürfen nicht länger nur sehr knapp bekleidete, gut ausgestattete Frauen bestaunen und dabei lesen, was für tolle Helden sie sind. Nein, sie werden jetzt auch von einer Diät zur nächsten, vom Lauf- zum Bauchmuskeltraining gejagt, bekommen dazu ein paar Bekleidungs- und Sextips an die Hand und sitzen irgendwann mit ihrem fettfreien Hintern auf der Couch eines Therapeuten, der sich auf Eßstörungen bei Männern spezialisiert hat – ein echter Wachstumsmarkt übrigens.
Während die Psychodocs erst langsam dahinter kommen, daß auch Männer empfindsame Seelchen sind, wußte die übrige Medizin schon immer recht gut über die wunden Punkte an Männerkörpern bescheid. Konzentriert sich die Forschung doch überwiegend auf den männlichen Patienten als Musterkranken. Aber auch das kann man als Fortschritt für die Frauen sehen, schließlich müssen als Versuchskaninchen für neue Medikamente Männer und nicht Frauen herhalten. Daß die Medikamente dann auch eher auf Männer zugeschnitten sind, dürfte angesichts der statistisch immer noch höheren Lebenserwartung der Frau zu vernachlässigen sein.
Die Tatsache, daß Frauen in Medien, Politik und Wirtschaft oft unterrepräsentiert sind, ist auch kein Grund zu klagen, erfuhr ich kürzlich. Das liegt nämlich nicht etwa an der von der uncoolen Frau Schwarzer so oft beschworenen Diskriminierung, sondern schlicht und einfach an der Tatsache, daß Frauen nicht so ein riesiges Ego haben wie Männer und deshalb nicht so massiv ins Rampenlicht drängen. Und das ist keinesfalls schlecht, eher im Gegenteil, das verkleinerte Ego macht Frauen nämlich zu den besseren Menschen. So werden sie zwar nicht gehört, aber in der karmischen Endabrechnung wird sich das für den besseren Teil der Menschheit bestimmt bezahlt machen.
Überhaupt sollten Frauen nicht so viel jammern. Wer wirklich emanzipiert ist, der lamentiert nicht öffentlich, sondern macht einfach wie er, bzw. sie will. Auch das hab ich heute gelernt. Dabei ist völlig unerheblich, ob man nun seine eigenen Lebensumstände beklagt oder vielleicht doch eher eine größere, gesellschaftliche Schieflage im Blick hat. Der kritische Blick auf die allgemeinen Umstände ist in meiner Altersgruppe eh unmodern geworden. Unsere Mütter haben so viel erreicht, daß wir uns in unseren kleinen Leben einigermaßen bequem einrichten und statt zur Demo ins Fitneß-Studio rennen können. Und wenn dieses Versäumnis eines Tages kommt und uns in den Arsch beißt, dann können wir uns wenigstens darauf berufen, die besseren Menschen zu sein.
Schade eigentlich, daß der Weltfrauentag kein offizieller Feiertag ist, sonst hätte seine Abschaffung direkt noch volkswirtschaftlichen Nutzen.
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