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2005-03-30 - 18:18 - Gehse inne Stadt, wat macht dich da satt - ne Currywurst

Die Menschen im Ruhrpott sind wirklich sehr tierliebend, was sich nicht nur an der Zahl der Tauben- oder Karnickelzuchtvereine ablesen läßt. Als ich heute zum Sport fuhr, bestand der Hund darauf mich zu begleiten. Er mußte dann eben eine Stunde im Auto warten, während ich sinnlos größere Eisenmengen bewegte. Als verantwortungsbewußte Hundebesitzerin hatte ich natürlich ein Fenster im Auto ein kleines Stück offengelassen. Das war zwar bei diesen Temperaturen nicht unbedingt nötig, aber da ich genau unterhalb des Studios parkte, konnte ich mich anhand des lauten Gebells in Richtung vorbeiflanierender Hunde regelmäßig vom hervorragenden Gesundheitszustand meines Monsters überzeugen. Während der letzten 20 Minuten war es dann verdächtig ruhig.

Als ich aus dem Studio kam, wurde mir auch klar warum. Um meinen verbeulten Kleinwagen hatte sich eine Traube Kinder versammelt, die den Hund durch den Spalt im Fenster mit kleinen Stückchen Currywurst fütterte („der sah kraß hungrig aus, echt gezz“). Da nicht alle Kinder groß genug waren, um problemlos bis an den Spalt zu gelangen, und es außerdem zu kleineren Rangeleien kam, wurden nicht wenige Stücke der Wurst erst elegant am Fenster hin- und hergeschoben, bevor sie die Hundeschnauze erreichten. Gestiftet wurde die Wurst (vielmehr die Würste) übrigens vom Besitzer der Imbißbude gegenüber. Als das Freßfest vorüber war, zierte die Scheibe auf der Fahrerseite von außen ein gleichmäßiger Currysaucenbelag und von innen die Spuren der nassen Hundeschnauze.

Der Dackel meiner Eltern wollte lieber nicht warten, bis sich Kinder seines unstillbaren Freßdrangs erbarmten. Er riß lieber gleich beherzt meinen Vater ein bereits von der Verpackung befreites Schokoladenosterei aus der Hand und ging dabei nicht eben sanft vor. Leider tat er das genau in dem Augenblick, als mein Vater einen längeren Vortrag darüber hielt, wie unglaublich schlecht erzogen mein Hund ist im Vergleich zum natürlich tadellos erzogenen Familiendackel. Es wurde nicht ganz klar, warum er ausgerechnet mit Schokolade in der Hand referieren mußte, aber seine Argumentation wäre sicher überzeugender gewesen, hätte sein toll erzogener Hund genauso friedlich auf dem Boden gelegen wie mein Monster.

Übrigens klingelte gerade eben, während ich diese Zeilen schrieb, wieder das berüchtigte Telefon: „Richten Sie Ihrer Mutter doch bitte aus, daß das mit der Adoption vom Storch klar geht.“ Vielleicht hätte ich ihren Wunsch nach Enkelkindern nicht ganz so locker mit einem verächtlichen Schnaufen vom Tisch fegen sollen.

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