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2005-04-10 - 23:01 - Warum mein Englisch Polen aus dem Bett holen kann

Sonntags morgens bin ich einfach überfordert, wenn das Telefon klingelt und Marc mich zwingt, absurdes Improvisationstheater zu spielen. Es ist nicht mehr wirklich früh am Tag, aber zu früh für mich, als Marc anruft: „Du mußt mich in fünf Minuten anrufen. Unbedingt.“ Er flüstert ganz sonderbar und legt dann grußlos auf. Ich fühle mich ungut an diese nervige „Ruf mich an, Mann, ruf mich auf dem Handy an“-MTV-Klingelton-Werbung erinnert. Wenn ich nicht genau wüßte, daß Marc unfähig wäre einen Klingelton runterzuladen, kämen mir jetzt noch ernstere Zweifel an seinem geistigen Gesundheitszustand. Aber gut, rufe ich halt zurück.

Marc, nach dem dritten Klingeln mit sonderbar verschlafener Stimme: „Ach du bist’s. Was willst du denn so früh von mir?“

Lyssa, verwirrt: „Du hast doch gesagt ...“

Marc: „Und das muß heute noch sein?“

Lyssa: „Was genau?“

Marc, genervt: „Warum kommst du mit so was immer in letzter Minute?“

Lyssa, noch genervter: „Tickst du noch ganz sauber? Was soll das?“

Marc: „Wie lang ist denn der Text?“

Lyssa, resigniert: „Ich glaube, zu lang für mich. Und offensichtlich zu kompliziert.“

Marc: „Wenn es denn unbedingt sein muß. Aber ich kann frühestens in einer Stunde da sein.“

Lyssa: „Toll, ich will aber in einer Stunde gar nicht gestört werden.“

Marc: „Du weißt aber hoffentlich, daß mir das gar nicht paßt? Du verlangst da einiges von mir.“

Lyssa: „Ich verlange höchstens von diesem Schwachsinn verschont zu werden. Was bitte ist denn los?“

Er hat offensichtlich eine Hand über den Hörer gelegt, gedämpfte Stimmen im Hintergrund: „... meine beste Freundin ... ja, ja genau ... sie braucht Hilfe bei einer Übersetzung. Ihr Englisch ist nicht besonders gut ... kann schon nerven manchmal.“

Jetzt reicht es mir. Ich mache Marc zuliebe viel mit, aber an diesem Punkt habe ich meinen Stolz. Mein Englisch ist nämlich um Längen besser als seins. Ach was Längen, Welten liegen dazwischen. Wel-ten. Ha!

Empört brülle ich in den Hörer: „Hallo? Spinnst du? Deine Hilfe mit englischen Texten brauche ich frühestens im Stadium fortschreitender Demenz.“ Mir dämmert, daß ich mich äußerst albern verhalte, aber auf Stimmen in meinem Hinterkopf kann ich in diesem Stadium leider keine Rücksicht nehmen.

Im Hintergrund wird weiter genuschelt: „Ja, ja, sie schreit irgendwas in den Hörer. Sie regt sich immer so fürchterlich auf, wenn sie Streß hat ... Frauen .... ja, ganz schlimm .... tut mir ja so leid ... gleich los, sorry.“ Dann wieder deutlich in den Hörer gesprochen: „Ganz ruhig, Engelchen, versuch dich ein wenig zu entspannen. Und bereite schon mal alles vor. Ich bin in etwa einer halben Stunde bei dir.“

Ich wünschte, Marc würde endlich lernen, unliebsamen Übernachtungsbesuch ohne meine Mitwirkung aus der Wohnung zu entfernen. Ich schreibe ihm auch gerne ein paar Sätze mit unterschiedlichem Freundlichkeitsgrad auf kleine Karteikarten für die Nachttischschublade. Heute war es übrigens ein Pole, der die Zeit bis zur Rückreise nach Danzig lieber an Marcs, ähm, männlicher Brust als auf einem zugigen Bahnsteig verbringen wollte. Und Marc kam natürlich auch nicht mehr bei mir vorbei, womöglich mit Kaffee, Brötchen und einer Sonntagszeitung, sondern rief eine Stunde später noch mal an: „Du könntest dich beim nächsten Mal ruhig etwas weniger anstellen. Das muß doch nicht immer so anstrengend sein mit dir.“

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