Ich hatte wirklich ganz vergessen wie das geht: Erholung. Aber in der ehemaligen „Freien Republik Wendland“ lernt man das sehr schnell wieder. Kein Internet, eher launisches Funknetz, Straßenverkehr fast unbekannt, dafür aber sehr viel Feld und Wald und Bach, frische Luft natürlich und stundenlange Spaziergänge mit Hund (wahlweise kann man sich auf einen großen Stein am Wegesrand setzen, den Hund hinter den Hasen her ins Feld schicken und sich die Sonne ins Gesicht scheinen lassen, nur sollte man dann damit rechnen, mit gut gebräuntem Dekollete zurückzukehren und für die nächsten Tage keinen Ausschnitt tragen zu können, der tiefer ist als der des T-Shirts vom Sonnenbad – oder eher ... unelegant auszusehen).
Der Internetentzug hat auch fast nicht weh getan, was vor allem der sehr angenehmen Gesellschaft zu verdanken war. Ich habe alte Bekannte wiedergetroffen, die mich schon als verschollen abgebucht hatten und neue Menschen kennengelernt, die sich gern ein wenig breiter machen dürfen in meinem kleinen Leben. Zwischenzeitlich fühlte sich das alles ein wenig an wie eine heitere Klassenfahrt, Zimmerpläne, Küchendienst, Grüppchenbildung und nächtelange Gespräche in Räucherstäbchenschwaden inklusive. Dann fiel mir ein, daß man eben doch nicht mehr in der 7. Klasse ist und durchaus die Möglichkeit hat, die Angelegenheit durch Knutschen hier und Sex dort ein wenig zu verkomplizieren (na gut, zu „meiner Zeit“ hat man so was in der 7. Klasse zumindest noch nicht gemacht). Gedacht, getan, gestaunt. Mit Sicherheit sagen läßt sich nur, daß ich mit häßlichen Füßen und dickem Hintern angereist und groß und schön und strahlend zurückgekehrt bin (das Rezept kann ich hier mit Rücksicht auf die Vertragsbedingungen meines Webhosters leider nicht verraten).
Trotz erheblichen Schlafdefizits und Fassungslosigkeit angesichts der Wirren, in welche sich die Nachbarrepublik zwischenzeitlich gestürzt hatte, war ich gestern abend früh genug beim Moby-Konzert, um ihn aus der Nähe ein wenig anhimmeln zu können (die üblichen Moblog-Fotos bei den Herren Hebig und Lumma). Die mir bis gestern völlig unbekannte französische Vorband M83, musikalische Geschwister von Air, stimmten ganz charmant auf den Abend ein und Moby brachte selbst die s-teifsten Hanseaten knapp zweieinhalb Stunden mit sehr unterschiedlicher Musik zum Tanzen nebst Hände-in-der-Luft-Schütteln. Mit Ausnahme des Ostfriesen neben mir natürlich, der die Hände in den Taschen hatte und seine Begeisterung (vor allem über die Lederstiefel der Keyboarderin) bevorzugt durch dezentes Kopfnicken ausdrückte. Ganz ähnlich erging es mir vor ein paar Monaten übrigens bei einem anderen Konzert mit einem anderen Ostfriesen. In zwei Wochen werde ich einen erneuten Versuch mit noch einem anderen Ostfriesen wagen und dann wohl eine vorläufige Studie publizieren.
Zuerst werde ich aber endlich mal wieder mehr als vier Stunden schlafen und hoffentlich vom wilden Wendland träumen.
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