Virtuelle Netzwerkplattformen können sicherlich nützlich sein, allen Unkenrufen zum Trotz. Einige der daraus entstandenen Kontakte möchte ich auf keinen Fall mehr missen. In der Hauptsache aber ist dieses virtuelle Netzknüpfen ungemein erheiternd – zumindest wenn man eine halbwegs passabel aussehende Frau ist. Dann nämlich trudeln von Zeit zu Zeit Jobangebote ins Haus, bei denen man sich sehr ernsthaft fragen muß, ob der Anbieter in der Lage ist, ein Profil zu lesen.
Das trifft zum Beispiel auf den Herrn Mitte 40 zu, der aus der Werbebranche kommt und mir einen Job als Texter anbieten wollte. Ich habe bestimmt verborgene Talente und vieles lernt man sowieso erst, während man schon dabei ist, aber von Werbung habe ich nun noch weniger Ahnung als vom Schweineschlachten. Und ich kann niemandem, der auch nur ein Fünkchen Verstand besitzt, ernstlich dazu raten, mich in dieser Funktion einzustellen. Als ich das, wesentlich dezenter natürlich, anmerkte, bekam ich als Antwort: „Schade, hätte Sie gern in meinem Büro sitzen gehabt.“
Tja, das ist natürlich auch möglich, nennt sich aber nicht Texter und kostet auch etwas mehr pro Stunde.
Andere versuchen es gar nicht erst auf dem beruflichen Umweg, sondern zielen direkt aufs Privatleben. Gestern schrieb ein mir gänzlich unbekannter Mann: „War eine tolle Nacht mit Dir. Danke.“ Ich kann nun wirklich nicht behaupten, daß ich immer gewußt habe, was genau ich da tat und mit wem ich es tat. Aber ich konnte mich zumindest immer an Gesichter erinnern, selbst wenn die Namen irgendwo in den leicht verklebten Hirnwindungen verschollen waren. Das Foto des Schreibers sagte mir jedoch rein gar nichts. Außerdem wußte ich noch sehr genau, was ich Mittwoch nacht getan hatte.
Ich beschloß, meine gute Kinderstube nicht zu verleugnen und trotzdem zu antworten: „Kann mich leider an nichts erinnern. Sind Sie sich sicher, daß es so toll war? Gibt es Beweisfotos?“ Kurz darauf: „Dann muß ich Sie wohl verwechselt haben. Schade eigentlich, wäre bestimmt auch nett geworden.“
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