Lyssas Lounge
new old cast guestbook email linksLinks
Lyssas Lounge Lyssas Wunschliste

 
mindestenshaltbar.net

Blogtalk Reloaded

XML
2005-06-12 - 23:06 - Fehlt nur noch Kneifen und Haareziehen

Ich bin mir oft genug selbst peinlich, aber es gibt zum Glück nur wenige Momente in meinem Leben, in denen ich mir ein großes Loch zum Versinken gewünscht hätte. Heute war so einer. Ich bin normalerweise ein recht beherrschter, höflicher Mensch und kann Unhöflichkeit ganz generell und unkontrollierte Wutausbrüche im Besonderen nicht ausstehen. Am allerwenigsten bei mir selbst. Und genau deshalb sitze ich jetzt auf dem Sofa und warte verzweifelt darauf, daß mir die Schamesröte wieder aus dem Gesicht weicht und ich endlich den Hund im Schutz der Dunkelheit vor die Tür schleifen kann.

Dabei würden einige meiner Mitmenschen den Totalverlust meiner Fassung für durchaus gerechtfertigt halten. Die Menschen unter mir feiern seit Tagen eine rauschende Party und geben sich dabei hemmungslos ihrer Vorliebe für sehr, sehr, sehr lauten Kirmes-Techno und die tollsten Schlager-Fetenhits hin. Gestern konnte ich das getrost ignorieren, da ich selbst mit sehr lauter Musik durch Hamburgs Straßen turnte, aber heute abend, als ich durchgefroren und übermüdet am Schreibtisch saß, zerfaserte mein Nervenkostüm schneller als ich Rotwein und Schokolade nachlegen konnte.

Gegen halb zehn, der Hund hockte bereits seit zwei Stunden zitternd im dunklen Bad, auf dem Schreibtisch tanzte das Rotweinglas im Partytakt und Udo Jürgens hätte meinetwegen auch ohne den Umweg über New York direkt zur Hölle fahren können, war es dann um meine Selbstbeherrschung geschehen. Anstatt um Reduzierung der Lautstärke zu bitten, was ich bei den letzten 15 Vorfällen dieser Art ebenso korrekt wie vergeblich versucht hatte, riß ich einfach die Tür zum Hausflur auf und brüllte ausgesuchte Unflätigkeiten, die sehr anschaulich zum Ausdruck brachten, was ich von meinen Mitbewohnern und ihrer Musik hielt.

Zwei Sekunden später trat die Herrin über den Höllenlärm in den Flur und pöbelte zurück: „Das ist mir so was von egal. Wir können seit Wochen nicht mehr schlafen, weil du jede Nacht wie besessen vögelst. Zwei Runden. Mindestens. Zuletzt Donnerstag.“ Diesen völlig unangemessenen und obendrein inhaltlich falschen Vortrag konnte ich einfach nicht unkommentiert im Treppenhaus stehen lassen. Also verstieg ich mich zu der unglaublich intelligenten Erwiderung: „Ich habe überhaupt kein nennenswertes Sexualleben. Und schon gar nicht donnerstags.“

42 Zwischenrufe | 0 TrackBacks

zurück | vor

Schon gelesen?

2007-06-28 - In einem Taxi nach Paris Damaskus

2007-06-25 - Gruß aus Amman

2007-06-12 - Kumbayah mit Anfassen

2007-02-27 - Irmela Schwab und der Elektrakomplex

2007-01-08 - Mann zum Unter-die-Erde-Bringen gesucht