Die Lesung ist vorbei, und ich habe immer noch ein fettes Grinsen im Gesicht, weil ich trotz Herzrhythmusstörungen im Vorfeld so verdammt viel Spaß hatte. Ich wurde meines Wissens auch noch nicht enterbt, obwohl ich öffentlich gemacht habe, was meine Mutter Boshaftes über meine unteren Extremitäten gesagt und wie sie meinen sozialen Aufstieg mit gezieltem Einsatz von Schweinehirn sabotiert hat. Und die Heckenschere blieb auch in der Handtasche.
Ein dickes Dankeschön an die großartigen Veranstalter, die zur Abwechslung statt Kafka mal einfach so ein paar Internetspinner auf die Bühne gebracht haben (und das in Neuss!) und sich vor Ort wirklich rührend um uns bemüht haben, eigene Garderobe und glücksbringendes Überdieschulterspucken inklusive. Vielen Dank natürlich auch an den Sponsor arte mea und vor allem an das tolle Publikum, das heldenhaft auf Grillen am Rhein am perfektesten Sommerabend des Jahres verzichtet hat, um zu uns in einen Theaterkeller hinabzusteigen und dort sogar bis halb elf ohne Murren auszuharren.
An eben jenes Publikum hätte ich allerdings noch eine kleine Bitte: Es ist ganz reizend, wenn Ihr mich in der Schlange vor dem Klo so strahlend anlächelt, aber könntet Ihr mich nicht auch bitte ansprechen? Das Projekt „Starallüren“ muß wohl auf der ganzen Linie für gescheitert erklärt werden. Anstatt mir zu denken „hey, die lächelt so freundlich, ich muß ein saucooles Blogbunniesuperstardingsbums sein“ hab ich zuerst nur gedacht „hey, die lächelt so freundlich, da steht bestimmt ihre beste Freundin hinter mir“ (ja, ich kann mich echt dämlich anstellen, aber damit müßten die altgedienten Leser nun wirklich rechnen). Dann dachte ich „oops, die meint mich, bestimmt ist mir in der Hitze Mascara verlaufen, verdammt“. Als mir dann der Gedanke kam „hey, die meint mich, vielleicht weil ich hier heute lese und sie mein Blog schon länger kennt“, saß ich schon auf dem Klo und fühlte mich wie ein Riesenrindvieh.
Ich habe, wie bei der Hamburger Lesung auch, viel zu spät erfahren, daß tatsächlich auch ein paar mir bislang unbekannte Blogleser dort waren und finde es sehr schade, nicht wenigstens kurz mal Hallo gesagt und vielleicht ein Gesicht zu einem Kommentatorennamen bekommen zu haben. Ja, ich würde mir auch lieber die Füße mit der Heckenschere abtrennen als auf Lesungen jemanden anzusprechen, aber das heißt ja nicht, daß Ihr das nicht alles viel souveräner erledigen könnt. Ich gucke in der Schlange vor dem Unisex-Klo vielleicht etwas irritiert, beiße aber nicht, oder höchstens auf ausdrücklichen Wunsch. Oder muß ich mir erst ein Schild umhängen: „Ansprechen erwünscht, Füttern nicht nach 20 Uhr“?
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