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2005-07-04 - 18:04 - Mit Artenschutz zu mehr Geschmackssicherheit

Auf der abendlichen Hunderunde werde ich begleitet von einem jungen Mann, dessen Witz und Charme erst bei näherem Kennenlernen zur Geltung kommt. Der erste Eindruck wird dominiert von seiner Frisur und die ist ... schwierig. Er trägt die Sorte Haartracht, zu der man früher Mitglieder von Boygroups mittels sittenwidriger Knebelverträge zwang, bevor man erkennen mußte, daß dieses Vorgehen bald zu Alkoholismus, schwerer Kokainabhängigkeit, und schließlich zur frühzeitigen Auflösung einer vielversprechenden Jungscombo führt.

Der junge Mann, in meinem Umfeld als „der Leichtmatrose“ bekannt, trägt das Etwas auf seinem Kopf meines Wissens freiwillig, und ist ein Souvenir von dieser Veranstaltung. Ich finde, es spricht für mich, daß ich die vielen Seitenblicke ignoriere und mich schon vor Einbruch der Dunkelheit in der Öffentlichkeit mit ihm zeige. Auch wenn es sich dabei nur um eine Hunderunde handelt.

Wir sind erst ein paar Meter vom Haus entfernt, als wir von zwei etwa siebenjährigen Mädchen in adretten, geblümten Sommerkleidchen angehalten werden. Beide tragen diese besondere Wohlerzogenheit zur Schau, die man nur noch in gewissen Stadtvierteln in Alster- oder Elbnähe kultiviert. Diese Sorte Kinder siezt Erwachsene, flucht nicht, kann offensichtlich Eis essen ohne die Hälfte davon an die Umwelt weiterzugeben und bestaunt schwierige Frisuren recht dezent, anstatt sofort zu kichern und mit dem Finger zu zeigen.

„Darf ich Sie mal etwas fragen?“ sagt das größere Mädchen und schenkt dem Leichtmatrosen ein schüchternes Lächeln. Der ist ganz entzückt und selbstverständlich auskunftswillig. Das Mädchen zeigt auf das Friseurgeschäft neben der Eisdiele und fragt: „Haben Sie sich Ihre Haare dort färben lassen?“ Der Leichtmatrose verneint und verliert beim Kopfschütteln wieder ein paar blondierte Haare. „Meine Oma war bei genau diesem Friseur“, fährt das reizende Mädchen fort, „und hat sich dort Strähnchen machen lassen. Sie sah danach auch so aus, als sei ihr ein Papagei auf dem Kopf explodiert.“ Ich glaube, ich mag Kinder doch.

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