Freitag morgen, 8:15 Uhr. Zeit um mit dem ersten Kaffee und der Zeitung auf dem Sofa zu sitzen, nicht aber um sich auf den Weg zum Orthopäden für die nächsten Spritzen zu machen. Um diese Uhrzeit kann ich einen wachen Eindruck höchstens vortäuschen. Entsprechend hirnwattiert stehe ich vor der riesigen Tür der Jugendstilvilla und suche den richtigen Klingelknopf, als ich plötzlich eine Stimme höre: „Da bist du ja endlich.“
Ich drehe mich um, kein Mensch weit und breit zu sehen. Ein Stück weiter links liegt zwar allerlei schweres Gerät, aber die Straße ist eine einzige Baustelle, da verwundert das nicht weiter. Also doch alles Einbildung? Ist es schon so weit? „Nu mach mal endlich hinne.“ Wie bitte? Ich bin doch viel zu früh dran. Die Stimme scheint aus der Tiefe zu kommen. Ich stehe auf einem dieser engmaschigen metallenen Fußabstreifer, darunter schwarze Nacht, kein Mensch zu sehen, gar nichts.
„Wird’s bald? Ich kann nicht ewig warten, Mann.“ Ok, ich werde wahnsinnig. So ist das also. Tut auch gar nicht weh. An die Stimmen wird man sich bestimmt irgendwann gewöhnen. In der Villa sitzt zwei Stockwerke über dem Orthopäden auch ein Psychiater, vielleicht kann ich im Anschluß direkt nach oben gehen. Als ich die Klingel gefunden habe und ins Haus gehen will, kommt mir ein Bauarbeiter entgegen, der noch mit dem Zurechtzupfen seiner Hose beschäftigt ist. „Ja, ja, komme schon“, murmelt er und schiebt ein Kabel in den Fußabtreter. Zu sehen ist dort immer noch nichts. „Endlich, Mann, du mußt ja gepißt haben wie ein Ochse, während ich hier warte und Frauen unter den Rock starre“, sagt meine Stimme.
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