Jedes Jahr dasselbe Spektakel: Ein wenig Weiß kommt vom Himmel, erdreistet sich tatsächlich mal liegenzubleiben anstatt in dramatischer Pose sein Leben auszuhauchen und einen nassen Fleck als Erinnerung zu hinterlassen. Und schon schimpfen die Autofahrer, verlieren aus lauter Angst vor dem Kontrollverlust die Kontrolle über ihre Wagen, gleiten lautlos über die Straßen (wobei das Ende eines solchen Gleitflugs mit erstaunlichem Lärm verbunden sein kann) und ab etwa fünf Zentimetern Weiß lahmt das öffentliche Leben.
Erfreut ist hingegen die Lokalpresse, die mit den Fotos des Praktikanten mindestens eine Seite füllen kann, beglückt sind auch die Blogger, die endlich wieder was zu erzählen haben und natürlich die Schulkinder, für die es eh nur zwei sinnvolle Jahreszeiten gibt - schneefrei und hitzefrei. Irgendwo zwischendrin Lyssa, die bei Schnee in Rekordzeit zu einem glücklichen Kind mutiert und nicht mal merkt, wenn an der Alster alle hinter der behandschuhten Hand über sie lachen.
Begleitet von einem nicht minder begeisterten Hund, der allerdings nicht verstehen kann, warum die von freundlichen Passanten geworfenen Schneebälle immer gleich wieder verschwunden sind. Dafür verliebt sich der Hund nach kurzem mißtrauischen Knurren in einen Schneemann, den er zunächst nach allen Regeln der Kunst anhimmelt, ihn dann verführerisch umtanzt, um schließlich erste Zärtlichkeiten auszutauschen.



Schon gelesen?
2007-06-28 - In einem Taxi nach Paris Damaskus
2007-06-25 - Gruß aus Amman
2007-06-12 - Kumbayah mit Anfassen
2007-02-27 - Irmela Schwab und der Elektrakomplex
2007-01-08 - Mann zum Unter-die-Erde-Bringen gesucht








