Ich habe mich heute zur Abwechslung mal wieder als professionelle Korrekteuse betätigt. Das habe ich früher sehr häufig getan bis mein Hirn endgültig Schaden zu nehmen drohte angesichts all der "Veranstalltungen" und "Erklährungen".
Na gut, noch negativer dürfte sich ausgewirkt haben, daß einer meiner Hauptauftraggeber erotische Geschichten verlegte, und ich in diesen Jahren mehr Schmutz lesen durfte als gut sein kann für die mentale Gesundheit (ja, ich weiß, das ist die Erklärung nach der Ihr alle schon so lange gesucht habt). Zumindest konnte ich bei dieser sehr umfangreichen Feldstudie unter großer geistiger Entbehrung folgende Erkenntnisse sammeln:
- Männer, die in ihrer Jugend fast ausschließlich Bukowski gelesen haben und heute in Hotelzimmern zum Bier aus der Minibar auch den pay-per-cumshot Erotikkanal abonnieren bringen ihre Lieblingsphantasien nur sehr selten in lesbarer Form zu Papier
- noch schlimmer sind nur die literarischen Ergüsse von Frauen, die neben zwei Katzen auch indische Schals und das komplette Werk von Anne Rice besitzen
- das frühzeitige Erkalten jeder noch so hoffnungsvollen sexuellen Erregung ist garantiert, wenn die Geschichte in einem Schloß / dunklen Turm spielt, dessen Bewohner eine Sprache pflegen, welche der Autor im positiven Sinne für antiquiert hält, jeder Leser jedoch als übel verquast empfinden muß
- es hat seinen Grund, daß die Protagonisten von Rosamunde Pilcher nur im Verborgenen koitieren und wer ähnlich zartbesaitet ist, sollte sich ein anderes Betätigungsfeld suchen, denn niemand möchte wirklich miterleben wie sich das zitternde Jadeschwert vorsichtig in ihre taubenetzte, perlmuttschimmernde Liebesfalte schiebt
- aber auch das Gegenteil ist nur selten inspirierend, weshalb ambitionierten Schmutzfinken Anfang 20 und frisch der elterlichen Aufsicht entronnen dringend angeraten sei, häufiger auf offener Straße ein herzhaftes "Ficken" von sich zu geben als dieses vielstrapazierte Wort geradezu zwanghaft dreimal in jedem Satz unterzubringen
- je großzügiger diverse Körperflüssigkeiten aus sämtlichen Öffnungen laufen, desto höher der Testosteronwert des Autors. Wo's trieft und tropft ist garantiert ein Mann am Werk - völlig egal ob nun heimwerkend oder schreibend
- und schließlich: je schmutziger der Inhalt, desto grausamer die Rechtschreibung, wobei letztere noch deutlich häufiger vergewaltigt wird als jede zitternde Maid mit wogender Brust
Allerdings war der heutige, eindeutig nicht-erotische Auftrag in zwischenmenschlicher Sicht mindestens ebenso lehrreich wie die Jahre im Sumpf der Einhand-Literatur. Zumindest hat der evolutionspsychologische Exkurs bestätigt, daß ich nicht etwa die falschen Männer kennengelernt habe, sondern daß Männer ganz generell "opportune Kopulatoren" sind. Klingt doch gleich viel besser als notorische Fremdficker.
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