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Blogtalk Reloaded

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2005-09-18 - 11:43 - Schwarz-Weiß Kontraste

Herr Sebas hatte geladen und alle waren gekommen. Den richtigen Tisch zu finden war nicht schwer, weil Herr Sebas seinen legendären weißen Anzug trug, und ich mir ziemlich sicher war, daß es im frisch eingetroffenen Herbst keine zwei Männer in einem weißen Anzug in einem kleinen Bistro geben würde. Zumindest nicht in Hamburg. Isa war auch da, ebenso wie Elle, die ganz wunderbar fies lachen und dabei wild ihre Locken schütteln kann. Sehr gefährliche Kombination.

Als hätten wir uns geschworen, sämtlichen Klischees gerecht zu werden, wurden Themen wie Kleidergrößen und Probleme beim Hosenkauf gleich zu Beginn abgehandelt. Wir tauschten Kriegsgeschichten („Haben Sie das Kleid auch in 40?“ – „40? Nein, unsere Kundinnen achten auf ihre Figur.“) und waren uns sehr einig, daß wir nie wieder Hüfthosen sehen wollen. Erst recht nicht an uns, aber auch nicht an speckigen 20-Jährigen mit einem Faible für rosafarbene Snoopy-Tangas. Wenn die Modeindustrie diesem berechtigten Wunsch jetzt also bitte nachkommen könnte. Danke.

Etwas später tauchte Lady Grey auf, die Begründerin der Toiletten-Decken-Fotografie, und Anke, die erst mitteilen ließ, sie sei nicht gesellschaftswillig und uns dann sehr geschickt fünf Minuten Zeit gab, ihre Abwesenheit zu beklagen bevor sie ankam. Timing ist eben alles. Herr ix kam ebenfalls im Anzug frisch von der IAA, mit Schleppköfferchen und BMW-VIP-Lounge-Geschichten, mit denen er in regelmäßigen Abständen Neidanfälle provozierte. Der Satz des Abends war allerdings ein versonnen vorgetragenes: „Ah Bielefeld – geseufzte Kunstpause – da hab ich meine ersten Sagrotantücher gekauft.“ Zusammenfassung des Abends: Wir haben das Bistro in kürzester Zeit leergelacht und sehr erfolgreich das Vorurteil widerlegt, Bloggen würde bloß zur Vereinsamung des Individuums beitragen.

Sehr sehr viel später überkam mich der Wunsch nach müdegetanzten Beinen, zerschüttelter Frisur und verschwitzter Kleidung. Von Eimsbüttel also auf den Kiez ins Nachtlager, eine ziemlich unglamouröse Location mit schauderhafter beige-brauner 70er-Jahre-Tapete, zerschlissenen Sofas und Kicker in der Ecke, die an versiffte Partykeller aus Schulzeiten erinnert. Die Musik und Teile des Publikums erinnern auch an Schulzeiten, sofern man damals auf langhaarige Typen und sehr laute Schrammelmusik stand. Viel Pearl Jam, Blur usw.

Das Publikum im Nachtlager ist allerdings angenehm durchmischter als das meiner Schulerinnerungen. Es gibt zwar lange Haare, viel Metall in den Gesichtern und Tinte auf den Armen, aber auch niedliche Mädchen, die man dank kurzer Röcke und Glitzerblusen in anderen Läden vermutet hätte, bis sie den Mund aufmachen und auch bei den schweißtreibendsten Stücken noch erstaunliche Textsicherheit beweisen. Die schönste Frau des Abends sah allerdings eindeutig nach genau diesem Laden aus, knutschte immer abwechselnd mit einem Mann und einer Frau und hatte eine fatale sexual predator Ausstrahlung, die schnell für Störfeuer im Gehirn der Umstehenden sorgt.

Wirklich sehenswert ist auch DJ Hansemann. Ein großer schwarzhaariger Mann im Punkrock-Outlaw-T-Shirt, der rechts „Rock“ und links „Roll“ auf den Hals tätowiert hat und die meiste Zeit ekstatisch Luftgitarre spielt. Sofern er nicht grad die Musik runterdreht und seine Lieblingstextzeilen heiser über die Köpfe der Tanzenden hinweg brüllt. Großartig. Und ganz bald wieder, auch wenn ich mich gestern den ganzen Tag lang wie vom LKW überfahren gefühlt habe und sehr dankbar dafür bin, daß die Wahlberichterstattung heute nicht von lauter Musik begleitet sein wird.

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