Als ich gestern spät abends noch am Rechner saß und verzweifelt versuchte, vorsaisonal heitere Texte zur Weihnachtszeit zu schreiben (so schön es auch ist, seine Texte auf Hochglanzpapier zu sehen, die lange Vorlaufzeit ist ein entscheidender Nachteil von Printprodukten), während aus unerfindlichen Gründen ausgerechnet „Adeste fideles“ im Hirn dudelte, überkam mich ein Heißhunger auf Weihnachtsgebäck – Lebkuchen, Zimtschokolade, Dominosteine, ganz egal, Hauptsache weihnachtlich. Leider hatte ich nichts dergleichen im Haus, weil ich einer eisernen Regel folge: keine Weihnachtsprodukte vor November. Zumindest kaufe ich sie nicht selbst ein, wenn sie aber anderswo schon rumliegen, dürfen sie gegessen werden. Ist ja dann nicht meine Schuld.
In Ermangelung spannender Gaumenfreuden mußte ich mich schließlich mit einem Tictac begnügen und habe verärgert über meine sinnlosen Regeln zur Selbstkasteiung und meine miserable Vorratshaltung energisch darauf rumgekaut. Zu energisch, denn plötzlich knirschte es gewaltig und mir kam ein Stück einer Krone entgegen. Zumindest dachte ich da noch, es müßte eine Krone sein. Aufgrund der Uhrzeit und der Unterzuckerung war mir komplett entfallen, daß ich gar keine Kronen, sondern nur eine Brücke habe. Die ist übrigens ein Andenken an Afrika, denn den fehlenden Zahn habe ich einem örtlichen Dentalhandwerker geopfert, dessen haarige Assistentin man mit Fug und Recht Ziege nennen durfte. Ich guckte ihr beim Wiederkäuen und Kötteln zu, während er Dinge mit dem Zahn tat, die mir zwar kurzfristig Linderung verschafften, langfristig aber zu der jetzt geknackten Brücke führten.
Meinem hiesigen Zahnarzt war die Brücke schon länger ein Dorn im Auge, denn er zieht Implantate vor. Vermutlich rät ihm seine Bank dazu. Entsprechend gut gelaunt stellte er mir heute morgen einen Plan zur Lückenfüllung in Aussicht, der diverse Termine und schmutzige Details wie das Aufbohren meines Kiefers und das Einsetzen eines kleinen Stifts mit Schraubgewinde enthielt.
Vor Schreck habe mich prompt von sämtlichen unsinnigen Ernährungsvorschriften und Einkaufsregeln verabschiedet und den Supermarkt an der Ecke leergekauft. Meine Vorräte dürften jetzt selbst bei regelmäßiger Nachtarbeit, Schwund durch Hund und hungrigem Besuch locker bis Februar reichen, aber das macht nichts, denn Lebkuchenherzen kann man sicher auch mit frisch aufgebohrtem Kiefer lutschen. Venite, adoremus, venite, adoremus venite, adoremus Dominum! Jawoll.
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