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2005-11-17 - 23:26 - Herzblut auf Linoleum

Das Lyssas-Lounge.de Trabrennen ist entschieden und gewonnen hat zu meiner großen Freude ein krasser Außenseiter, Prestige d’Aounou, mit Ines Henschen im Sulky. Herzlichen Glückwunsch! Wer übrigens auch mal jemanden mit einem eigenen Trabrennen beglücken will (bevorzugt natürlich jemanden, der hier nicht mitliest), der möge sich an mich wenden. Ich freu mich immer noch so sehr über das Geschenk, daß ich das gerne vermittle.

Sieger Trabrennen.jpg

Ein Grund zur Freude ist auch die wieder mal sehr schöne neue Ausgabe von mindestenshaltbar.net, die seit heute online ist. Unbedingt hingehen und lesen. Und damit nicht genug, ich freue mich auch riesig auf Wien, obwohl ich erst nächstes Jahr im Oktober dort sein werde. Am 2. und 3. Oktober 2006 findet dort nämlich die Neuauflage der BlogTalk statt und ich weiß heute schon, daß ich daran teilnehmen werde, weil ich die große Ehre habe, im Steering Committee zu hocken und mich an den Vorbereitungen zu beteiligen (hoffentlich wissen die Leute, die sich das haben einfallen lassen, was sie da tun).

Minimal weniger erfreulich der gestrige Tag. Um 17:15 Uhr sollte die angekündigte Horrorshow bei meinem Zahnarzt stattfinden, zu der diverse freundliche junge Herren vorab schon eindrucksvolles Bildmaterial zur Verfügung gestellt hatten (die Links sind nur abgehärteten Splatterfans zu empfehlen). Morgens konnte ich noch schmutzige Witze reißen, gegen Mittag machte sich ein leichter Phantomschmerz im Kiefer bemerkbar und am frühen Nachmittag ließ sich das geistlose Monitoranstarren beim besten Willen nicht mehr als Arbeit bezeichnen. Also beschloß ich, mein fragiles Nervenkostüm durch meditative manuelle Tätigkeiten zu stabilisieren und griff gleich zu Beginn des Spülvorgangs beherzt in eine sehr scharfe Papierschere.

Manuelle Tätigkeit fiel danach aus, aber es war durchaus meditativ, dem gleichmäßigen Plopp, Plopp, Plopp zu lauschen, das mein Blut beim Auftreffen auf den Fußboden fabrizierte. Kreativ war es auch, denn man konnte hübsche Herzen und saisonal angemessene Tannenbäume auf den abgeschabten Linoleum-Fußboden tropfen. Von der gelungenen Einstimmung auf die Blutorgie beim Zahnarzt ganz zu schweigen.

Fast hätte ich allerdings auf letztere verzichten müssen, denn das Blut wollte immer mehr Herzen auf dem Fußboden machen, obwohl längst kein Platz mehr war. Und als ich genauer hinsah, mußte ich feststellen, daß sich ein Teil der seitlichen Fingerkuppe lustig auf- und zuklappen ließ. Auf und zu. Auf und zu. Plopp. Plopp. Das wiederum sorgte für heftige innere Widersprüche: Mein Hirn fand diesen ungewohnten Einblick recht interessant, doch mein Kreislauf zog es vor, den Notfallplan aufzurufen und auf Minimalbetrieb zu schalten. Und der Kreislauf gewinnt immer. Das Hirn war beleidigt und machte das Licht aus.

Beste Voraussetzungen also für eine zweistündige Zahnbehandlung. Es dauert dann nicht mehr so lange, bis man demütig und bleichgesichtig im Stuhl zusammensinkt. In der Praxis gab man sich redlich Mühe, den Tag angemessen ausklingen zu lassen. Der Raum wurde mit grünen Tüchern verhängt, um eine wohligere Partyatmosphäre zu schaffen und mit Bohrern und Skalpellen dekoriert, die für drei Serienmörder ausgereicht hätten. OP-Grün ist bekanntlich sehr kleidsam bei nobler Blässe und so kuschelte ich mich dankbar in das große Tuch. Der Arzt hatte schon mein Provisorium entfernt und unaussprechliche Dinge mit meinem Zahnfleisch getan, als die Assistentin der Show besorgt das aktuellste Röntgenbild anreichte.

„Wollen Sie zuerst die gute oder die schlechte Nachricht?“ – „Die gute.“ – „Sie haben eine Kieferhöhlenentzündung, da würde das Implantat gleich wieder rausfallen. Sie dürfen also ohne dicke Backe wieder nach Hause gehen.“ – „Oh.“ – „Die schlechte ist: Sie müssen wiederkommen. Und Sie haben jetzt drei Wochen Zeit, um von grünen Tüchern und glitzernden Bohrern zu träumen.“ Sehr leises Oh.

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