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Blogtalk Reloaded

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2005-12-04 - 10:53 - Barfuß nach Paris

Ich wollte längst etwas zu „red hot & blog“ geschrieben haben, wurde aber von widrigen Lebensumständen vom Rechner fern gehalten. Erst habe ich längere Zeit mit einer taubstummen Verkäuferin in einer Boutique über die richtige Rocklänge diskutiert, alles wie zu Schulzeiten mittels hin- und hergereichter Zettelchen, und um Anpassung des gewünschten Rocks für Langbeinige gebeten. Dann wollte ich eigentlich nur noch ganz kurz zu Kieser, was schließlich erheblich länger dauerte als geplant.

Schuld daran war die Reinkarnation des Teufels in Gestalt eines kleinen, blonden fünfjährigen Jungen. Er sprang unentwegt lärmend durchs Studio, klaute Handtücher, riß Trainingspläne herunter und strapazierte die Geduld sämtlicher Besucher aufs Äußerste. Als seine Mutter endlich in die Umkleidekabine ging, um uns alle zu erlösen, waren ihre Schuhe verschwunden. Die ach so niedliche Brut hatte sie versteckt und weigerte sich strikt, das Versteck zu verraten. Verschränkte Arme und das verstockte Gesicht waren eine deutliche Ansage.

Ich bemühte mich, nicht zu offensichtlich zu grinsen und dachte: „Geschieht dir recht, warum bringst du dieses Monster auch mit zum Training, wo es sich langweilen muß.“ Ja, ich bin ein schlechter Mensch und schlechte Menschen gehören bestraft. In der nächsten Sekunde zeigte Goldjunge mit dem Finger auf mich und sagte fröhlich: „Die Schuhe von der da hab ich auch versteckt, aber woanders.“ Sprach’s und rannte weg. Die Suche dauerte länger als das eigentlich Training gedauert hatte und länger, als ich hier beschreiben könnte. Die Kurzfassung lautet: Das mütterliche Schuhwerk befand sich unter allerhand unbeschreiblichem Unrat in einem Damenbindenabfallbehälter auf der Toilette, meine Schuhe konnten etwas später von einem Schrank in der Herrenumkleide geborgen werden. Sowohl Mutter als auch Sohn leben noch. Es ist schließlich Advent.

So, und jetzt steige ich mit meinen geretteten Schuhen in einen Flieger nach Paris, um heute nachmittag mit meinem alten Schulfreund Steven, der als Visagist in Paris arbeitet, in einem kleinen Café zu versacken und wilde Geschichten auszutauschen, während Paris an uns vorbeidefiliert. Morgen treffe ich dann bei Les Blogs 2.0 noch viel mehr alte Bekannte und lerne hoffentlich auch jede Menge neue Menschen kennen.

Die Lesung war übrigens ganz wundervoll, dank meiner großartigen Mitleser und des tollen Publikums. Vielen, vielen Dank Euch allen! Einen Lesungspodcast gibt es leider nicht, aber ich werde Mittwoch zumindest einen Podcast mit einem meiner Lesungstexte nachreichen. Dazu hat die Zeit heute morgen dann doch nicht mehr gereicht. Und jetzt muß ich wirklich dringend los, sehr dringend ...

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