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2006-02-23 - 23:16 - Preußische Invasion

Ich habe die große Ehre, am Donnerstag, den 16.03. im tiefen Süden der Republik, genauer gesagt in einem beschaulichen Ort namens München lesen zu dürfen. Und nicht nur das, ich darf die Veranstaltung namens „Mia san mia“ auf Einladung der verehrten Frau Klugscheißer sogar moderieren, obwohl ich als assimilierte Muschelschubserin vermutlich nicht mal den Titel ohne fremde Hilfe korrekt aussprechen kann. Ich hoffe, ich blamiere wenigstens nur mich und nicht etwa Frau Kaltmamsell, Jürgen Albertsen oder Don Alphonso. Wer Zeuge dieses Experiments werden will, möge sich bis 21 Uhr in der Reizbar in Schwabing einfinden. Nachdem Frau Klugscheißer bereits gewaltig vorgelegt hat, was die Bekleidung für den Abend betrifft, fühle ich mich gleich doppelt unter Druck gesetzt. Nix anzuziehen und nix zu lesen, herrje.

Um mich von diesen schlimmen Frauenproblemen abzulenken, habe ich gestern abend endlich mein neues Faxgerät angeschlossen, das seit Wochen in der Ecke meines Büros stand und Wollmäuse fing. Eigentlich brauche ich gar kein Faxgerät und war deshalb auch nicht sonderlich betrübt, als mein uraltes irgendwann den Dienst quittierte. Der einzige Mensch, der mir je Faxe schickt, ist meine Mutter. Der Rest kann ein Mailprogramm bedienen. Aber natürlich bestand meine Mutter darauf, mich auch weiterhin mit ihren Faxen beglücken zu können und schenkte mir einfach ein neues Gerät. Ich hatte eindeutig zu hämisch gegrinst, als ich ihr von der Entsorgung des alten berichtete.

Gestern abend erreichte mich auch gleich das erste Testfax. Sehr zur Freude des Hundes, der hektisch aufspringt, sobald dieses typische Surren den Druckvorgang ankündigt. Ich weiß nicht, was genau er erwartet, wenn er dieses Geräusch hört, aber er steckt jedes Mal begeistert seine schmale Schnauze so weit wie möglich in das Gerät. Und wenn dann das erste Stück Papier auftaucht, zerrt er ungeduldig daran, bis er es endlich herausreißen kann. Dann gibt er sich gefährlich knurrend als Dobermann aus und schüttelt das Fax zu Tode, bevor er es gründlich einspeichelt und zerkaut. Wenn ich also vergesse, vor dem Verlassen der Wohnung die Bürotür zu schließen, sind in meiner Abwesenheit eintreffende Faxe sowieso für die Nachwelt verloren.

Und weil ich länger kein funktionierendes Fax mehr hatte, habe ich heute prompt die Tür offen gelassen. Bei meiner Rückkehr fand ich die Überreste eines Zettels quer über den Fußboden verteilt wieder. Die ersten Fetzen waren bereits wieder getrocknet und ließen sich problemlos von den zerkauten Hustenbonbonpapieren trennen (kein sonderlich tragischer Verlust, die Eukalyptusbonbons waren mir eh zu scharf und der üble Mundgeruch des Hundes ist deutlich gemildert worden). Das notdürftig zusammengesetzte Fax sah an den speichelfreien Stellen sehr nach Gedicht oder Liedtext aus, aber Details würde ich wohl nur durch einen Anruf bei meiner Mutter erfahren.

Guter Plan, chaotische Ausführung, denn ich hatte Karneval vergessen. Hier im Norden kommt ja niemand auf die Idee, Krawatten abzuschneiden, außerhalb eines Fußballstadions betrunken mit einer Billigperücke auf dem Kopf schmutzige Lieder zu grölen oder ohne politischen Hintergrund ein Rathaus zu stürmen. Meine Mutter war jedoch soeben von der erfolgreichen Eroberung des Rathauses zurückgekehrt. Sie kicherte hemmungslos in den Hörer, brüllte mehrmals „Wattsche Helau“ und sang, als ich nach dem Fax fragte, etwas, das verdächtig nach „20 Zentimeter“ klang. Ich gebe daher bekannt, daß ich alle vor Mittwoch eintreffenden Faxe ungelesen an den Hund verfüttern werde. Auch die, die länger sind als 20 Zentimeter. Wattsche Helau!

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