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2006-03-01 - 23:19 - Schon wieder ohne Pinguin, aber daför jetzt mit Kamera aufs Eis

Sieben Stunden für drei Minuten. Der Umrechnungskurs für Lebenszeit in Fernsehzeit ist wirklich erstaunlich. Aber ich habe diese sieben Stunden in sehr angenehmer Gesellschaft verbracht, mit einem Redakteur von sterneins und einem Team von Altonafilm bestehend aus Kameramann, Tonmann und Praktikant. Gelernt habe ich auch einiges, etwa daß Siebtkläßler längst nicht so abgebrüht sind im Umgang mit „dem Fernsehen“ wie ich gedacht hätte. Aber der Reihe nach.

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Im Anschluß an das Schaubloggen am heimischen Schreibtisch ging es zur Freude des sichtlich von der TV-Invasion irritierten Hundes direkt an die verschneematschte Alster. Der Hund vergnügte sich sofort abseits von uns, der Tonmann führte zur Freude der anderen Hunde etwas Pelziges spazieren, das entfernt einem Tier glich und ich drehte mit kalten Füßen und roter Nase einsame Runden um kahle Bäume. Zu meiner großen Erleichterung hat der Hund zwar wie üblich diverse Aufforderungen meinerseits ignoriert, aber wenigstens nicht fremde Männer angefallen oder frisch erlegte einbeinige Tauben angeschleppt.

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Danach dann der härteste Teil des Tages. So langsam setzt wieder Schneetreiben ein und wir fahren zur Eisbahn. „Du hast doch kürzlich übers Eislaufen geschrieben, das gäbe so viel schönere Bilder als immer nur der Schreibtisch oder die graue Alster, könnte man da nicht ...“ Man könnte, aber ich will eine Stuntfrau. Als wir dort ankommen ist von der Stuntfrau natürlich nichts zu sehen, dafür machen diverse 7. Klassen einen heiteren Schulausflug und das Eis ist voll mit coolen Jungs und niedlichen Mädchen in dicken rosa Winterjacken. In den nächsten Minuten erklingt ein vielstimmiger Chor, der nur eine Liedzeile kennt: „Sind Sie vom Fernsehen?“

Als ich gefragt werde, ob ich hier die Hauptrolle spiele, flüchte ich aufs Eis. Anstelle von Karnevalsmusik läuft Cat Stevens und ich versuche irgendwie heil durch die Schülermassen zu kommen, die alle paar Meter in kichernden Haufen durcheinander purzeln. Plötzlich tauchen rechts und links zwei Jungs auf, die mir nicht mal bis zur Schulter reichen und fragen sehr höflich, ob sie mich stützen können. Im Hintergrund immer noch Cat Stevens. Ich fühle mich plötzlich sehr, sehr alt.

Etwas später bin ich von Mädchen umzingelt, die mich aufgeregt nach meinem vermeintlichen Ruhm ausfragen und von ihren Lieblingsserien berichten. Als ich auch mal etwas sagen darf, muß ich bekennen, weder berühmt zu sein noch „Verliebt in Berlin“ oder GZSZ zu gucken. Und nein, Eislaufen kann ich auch ganz wirklich nicht, ich tu nicht nur so. Statt dessen schreibe ich komisches Zeug im Internet, was in ihren Augen offensichtlich so gar nichts hermacht und ich habe nicht mal meinen Hund dabei, der die Situation mittels Kuschelfaktor retten könnte. Schließlich legt eines der Mädchen seine Hand auf meine und sagt: „Aber ich lese manchmal auch Bücher, tröstet Sie das?“

Noch viel mehr tröstet mich, daß wir danach von Jörg und Heiko im Heliumcowby Artspace mit heißem Kaffee empfangen werden, wo ich beweisen darf, daß Blogger tatsächlich noch so etwas wie ein Sozialleben haben und nicht völlig vereinsamt und umgeben von leeren Pizzakartons vor dem Rechner vegetieren. Ich nehme mir wieder mal vor, viel häufiger bei Jörg vorbeizugucken, weil seine Ausstellungen immer sehr sehenswert sind. Ein guter Vorsatz übrigens, den ich gern zur Nachahmung empfehle.

Die letzte Station liegt am anderen Ende des Karoviertels und heißt „Schwarzer Panther“. Das Hinterzimmer des Cafés ist zunächst noch ganz leer und damit perfekt geeignet für den ganzen Kram, den wir mitschleppen. Ich versuche in Etappen zu essen, sobald die Kamera mal nicht auf mich gerichtet ist. Es ist mir schleierhaft, wie Fernsehmenschen so lange ohne Nahrung auskommen. Noch schleierhafter ist mir allerdings, wie der arme Redakteur aus all dem Material einen unterhaltsamen 3-Minuten-Film schneiden will, bei dem ich zu allem Überfluß nicht völlig dämlich auf dem Eis wirke (versprochen ist versprochen). Die Auflösung gibt es am 12.3. in der Sendung west.art im WDR zu sehen. Details folgen, sobald sie im Netz verfügbar sind.

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