Lyssas Lounge
new old cast guestbook email linksLinks
Lyssas Lounge Lyssas Wunschliste

 
mindestenshaltbar.net

Blogtalk Reloaded

XML
2006-03-15 - 13:13 - Von Köln über Afrika nach München

Ich möchte mich noch mal ausdrücklich bei all jenen entschuldigen, deren Nerven ich in der letzten Woche mit meiner Zappeligkeit arg strapaziert habe. Wider Erwarten habe ich die Live-Sendung am Sonntag überstanden, ohne ohnmächtig vom Stuhl zu rutschen oder zwischendurch Richtung Toilette zu flüchten. Ja, ich muß sogar zugeben, die ganze Sache hat mir richtig Spaß gemacht. Zuerst erschienen mir 90 Minuten wie eine halbe Ewigkeit, dann hätte die Sendung auch gern doppelt so lang sein dürfen. Die Atmosphäre war angenehm entspannt und das Gespräch mit Moderatoren und Gästen bei Kaffee und Schnittchen vor Beginn der Sendung hat mich die Nervosität bereits fast vergessen lassen. Nicht daß man sonderlich viel Zeit gehabt hätte, seine Nervosität zu pflegen.

Erst kommt die Garderobenfrau zwecks Kleiderkontrolle und bügelt und bürstet, was ihrem strengen Blick nicht standhält. Dann wird man in die Maske entführt, wo eine freundliche junge Dame mit einer Airbrush-Pistole wartet. Wenn man die Augen wieder öffnen darf, wünscht man sofort, die junge Dame käme jeden Morgen zur Fassadensanierung. Danach geht es weiter zum Ton und schließlich wartet schon ein Mann von der dpa mit Kamera und will ein Lächeln sehen (ein Lächeln, noch vor elf, ha). Plötzlich sitzt man auf seinem Stuhl, hört „noch 30 Sekunden“ und versucht sich zu erinnern, in welche Kamera man denn nun lächeln sollte.

Den größten Teil zur Entspannung trugen allerdings die anderen Gäste bei. Denis Scheck etwa, dessen spitze Zunge mich vorher bis in meine Träume verfolgt hatte, ist ein unglaublich angenehmer Gesprächspartner – charmant, klug, witzig und das alles ohne eine Spur von Selbstverliebtheit. Irene Dische wollte ich unbedingt kennenlernen, schon allein weil sie mit 18 nach Afrika gegangen ist, um für Louis Leakey zu arbeiten. Leakey war der Held meiner Jugend, seit ich mit 13 ein Buch über seine Arbeit gelesen hatte (er war einer der bedeutendsten Paläoanthropologen seiner Zeit) und nicht ganz unbeteiligt an meiner Entscheidung, nach dem Abi für ein Jahr nach Afrika zu gehen. Frau Dische und ich haben auch gleich in der Maske festgestellt, daß wir einen gemeinsamen Traum haben: Einmal Richard Leakey für eine Reportage zu besuchen, den Sohn von Louis, ebenfalls Anthropologe, zwischenzeitlich Leiter des kenianischen Wildlife Service, Parlamentsmitglied und Oppositionsführer und noch heute vehementer politischer Einmischer. Wie gesagt, meinetwegen hätte die Sendung noch viel länger dauern können. Vielleicht hätte ich dann sogar herausgefunden, warum Herr Weiler selbst bloggt, sich aber sehr demonstrativ nicht dazu aufraffen mag, auch nur ein einziges anderes Blog zu lesen.

Im Anschluß an die Sendung habe ich dann noch mal 30 Minuten in ein Mikrofon des Deutschlandfunks gesprochen (Sendedatum wird nachgereicht sobald bekannt). Das schien mir zunächst alles etwas viel für einen Tag, stellte sich im Nachhinein allerdings als gute Idee heraus. Ich war ohnehin noch ziemlich aufgekratzt und hätte sonst womöglich ununterbrochen auf unschuldige Familienmitglieder einreden müssen. Außerdem hatte ich meine Nervositätsreserve längst verbraucht und konnte dem Interview ungewohnt gelassen entgegen sehen. Hoffentlich kann ich mir länger als 48 Stunden merken, daß man so etwas auch ganz wunderbar streßfrei absolvieren kann.

WDR5.jpg

Mittlerweile bin ich in München angekommen, genieße die Gastfreundschaft der wunderbaren Kaltmamsell und darf morgen abend zusammen mit großartigen Bloggern in der bereits ausverkauften Reizbar lesen. (Kaum auszudenken, ich hätte nicht mit dem Bloggen begonnen.) Jetzt muß ich bloß noch das schlechte Gewissen beiseite schieben, daß die etwa halbstündigen Anrufe meiner Mutter bewirken. Sie hat nämlich den Hund in ihrer Obhut und erstattet viel zu regelmäßig Katastrophenberichte („ich habe mich nur ganz kurz umgedreht, wirklich, na gut, vielleicht bin ich auch rausgegangen, aber nur kurz“). Letzter Stand: Er ist irgendwie in das Büro meines Vaters gelangt („nur kurz die Tür aufgelassen, warum ist der eigentlich so schnell“), hat ein wenig an einem Geweih herumgeknuspert und dann mit einer Tüte Hustenbonbons nachgespült.

36 Zwischenrufe | 2 TrackBacks

zurück | vor

Schon gelesen?

2007-06-28 - In einem Taxi nach Paris Damaskus

2007-06-25 - Gruß aus Amman

2007-06-12 - Kumbayah mit Anfassen

2007-02-27 - Irmela Schwab und der Elektrakomplex

2007-01-08 - Mann zum Unter-die-Erde-Bringen gesucht