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Blogtalk Reloaded

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2006-03-22 - 23:21 - Keine Gewalt gegen Frauen

Manchmal werden Wünsche eben doch wahr (hey, selbst das Wetter spielt heute mit). Ich hatte mir kürzlich eine Art Mithörfunktion für den ipod gewünscht, damit das Busfahren mehr Spaß macht (Bahnfahren ist vorerst gestrichen) und ich nicht versehentlich Schlagerfans anflirte. Prompt meldet sich Dr. Stephan Baumann vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz und schreibt, daß er mit seinen Studenten längst an der Erfüllung meines Wunsches bastelt und in drei bis vier Monaten einen Prototyp haben wird. Könnte das Blog künftig bitte immer so funktionieren?

Einen Wunsch könnt Ihr heute auch dem Pottblogger erfüllen. Der hat nämlich Bilderrätselpostkarten verschickt, so richtig echte zum Anfassen mit Briefmarke drauf, mit denen er zur Teilnahme an einem WM-Tippspiel einlädt – vorausgesetzt man kann seine Handschrift lesen und das Bilderrätsel lösen. Eingeladen sind nicht nur die Besitzer der Postkarte, sondern natürlich auch deren Leser. Und weil ich mangels Sachkenntnis ganz furchtbar unfähig bin in solchen Sachen und mir meist sowieso erst während des Spiels einfällt, daß ich hätte tippen müssen, geht Ihr doch bitte hin und rettet quasi stellvertretend meine Ehre (wenn der Blogger nix taugt, muß eben der Leser ran).

Und weil heute so richtig lange die Sonne schien, habe ich erst Anzeichen von Frühjahrsputz erkennen lassen (eigentlich habe ich verzweifelt Versicherungsunterlagen gesucht, aber Frühjahrsputz klingt irgendwie ... ordentlicher). Dabei habe ich hektisch systematisch diverse Kisten durchgesehen und alles mögliche gefunden, nur keine Versicherungsunterlagen. Statt dessen aber einen längst vergessenen Brief, den mir ein ebenso vergessener Mann vor etwa sechs Jahren schrieb. Ich hatte besagten Mann auf einer Party kennengelernt und mich in einer fremden Küche gut mit ihm unterhalten. Wir sind danach zwei oder drei Mal ausgegangen, zum Essen und ins Theater, aber weiter reichte mein Interesse nicht. Er sah gut aus, war intelligent und konnte interessante Geschichten erzählen, doch irgend etwas stimmte nicht und ich fühlte mich zunehmend unwohl in seiner Gesellschaft.

Nicht zu unrecht, wie sich bald herausstellte. Er war nämlich im Gegensatz zu mir in wilder Leidenschaft entbrannt und wollte partout nicht einsehen, daß ich mir keine gemeinsame Zukunft Hand in Hand vorstellen konnte. Und weil er sich nun so sehr in diese Idee verrannt hatte, wußte er sich wohl nicht anders zu helfen, als überall aufzutauchen, wo er mich vermutete. Wenn ich mit Freunden in meinem Lieblingscafé saß, war er früher oder später auch dort, saß allein in einer Ecke und starrte mich düster an.

Eines Tages bekam ich dann besagten Brief. Darin abwechselnd Liebesschwüre und bittere Vorwürfe. Ab Seite 3 wurde die Schrift krakeliger und der Inhalt immer wirrer. Dann schließlich wilde Drohungen. Er würde mich am liebsten ohrfeigen, treten, prügeln, bis ich endlich zu Verstand komme und meine Bestimmung erkennen und eingestehen könne. Dann werde er mich für den Rest seiner Tage auf Händen tragen und verehren. Aha. Vermutlich hatte ihm seine Mutti nie erklärt, daß diese spezielle Form der Verehrung früher oder später dazu führt, daß man den Rest seiner Tage in trauter Zweisamkeit mit seinem Zellengenossen, nicht aber mit der Frau seiner wirren Träume verbringt.

Leider muß ich damals vor Entsetzen glatt übersehen haben, daß auf dem Brief eine hübsche Sondermarke prangt: „Keine Gewalt gegen Frauen“ steht da. Aber gut, so konnte ich wenigstens mit einiger Verspätung herzlich lachen.

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