Die ersten Sonnentage, die erste Ahnung des Frühlings, der irgendwo um die Ecke lauern muß, verwirrt die Menschen und treibt sie zu sonderbaren Dingen. Als ich gestern mittag in den fast leeren Bus einstieg, saß gleich neben der Tür ein unscheinbarer Mann Mitte 40 mit Computer-Werberucksack neben sich, der aussah, als würde er immer noch von Mami eingekleidet. Er lächelte mich freundlich an, sagte aber nichts, vielleicht weil ich telefonierte (schlimme Unsitte, ich weiß). Als an der nächsten Haltestelle eine sehr hübsche Blondine einstieg, räumte er sofort den Rucksack beiseite und sagte: „Hier, setzen Sie sich doch zu mir.“ Die Frau lehnte ab und setzte sich vorsichtshalber ans andere Ende des Busses.
Kaum hatte ich mein Telefonat beendet, stand der Mann auf, setzte sich neben mich und sagte: „Ach, dann setze ich mich eben zu Ihnen.“ Mehr sagte er nicht, sondern saß einfach nur stillvergnügt neben mir und lächelte mich gelegentlich von der Seite an. Einige Haltestellen später verbeugte er sich und sagte: „Vielen Dank, das war sehr angenehm mit Ihnen.“ Dann stieg er aus, drehte sich noch mal um, hauchte mir einen Kuß zu und rief „bis bald“. Wenn doch nur alle Männer so genügsam wären.
Der Hund mißtraut dem Frühling offensichtlich noch und beugt auf seine Art einem verspäteten Winterblues vor: Er hat gestern eine halbe Wochenration Prozac meiner Hundesitterin gefressen. Ich hatte zwar schon gelesen, daß vor allem in den USA der Markt für Haustierpsychopharmaka blüht, aber normalerweise verordnen sich die Tiere das nicht selbst. Der Hund steht jetzt unter verschärfter Beobachtung, aber bislang konnte keine Verhaltensmodifikation festgestellt werden.
Außerdem noch ein kurzer Hinweis, bevor ich das vor lauter Sonnenseligkeit wieder vergesse: Am Sonntag gibt es einen Artikel auf der Technikseite der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", den ich zusammen mit dem sehr geschätzten Dr. Spehr geschrieben habe. Ich durfte sogar reichlich Sand in seinen Textteil streuen, und er hat alles lächelnd und mit großer Gelassenheit zur Kenntnis genommen. Vielleicht lerne ich das eines Tages auch noch.
Und weil das mit der Einrichtung eines separaten Verlautbarungsblogs so schnell nun auch nicht geht, hier nur der Vollständigkeit halber der Link auf einen weiteren Artikel in der "Welt am Sonntag".
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