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2006-04-18 - 05:08 - Meine Mutter und der Holzpenis

Sonntag abend, beim großen Ostermenü, erzählte meine Mutter plötzlich von ihrem neuen Engagement zur Verbesserung der Sexualaufklärung bei Jugendlichen. Sie ist schon recht lange in der Schwangerenberatung engagiert und war von der zunehmenden Zahl der Teenagerschwangerschaften schockiert. Ihre letzte „Klientin“ war gerade mal 13 Jahre alt. Also beschloß sie, sich eins von diesen Aufklärungsköfferchen zu besorgen, die auch Organisationen wie pro familia nutzen, und damit durch die Schulen zu ziehen. In dem Koffer befinden sich neben hübschen Schautafeln auch allerhand Verhütungsmittel zum Anfassen (ich hatte vorher tatsächlich noch nie eine Spirale in der Hand) und ein Holzpenis sowie Kondome für erste Trockenübungen direkt vor Ort. Mein Vater schüttelte ununterbrochen seinen Kopf.

Das gab es auch zu meiner Schulzeit noch nicht, wobei ich es wohl kaum überlebt hätte, wenn ausgerechnet meine Mutter in unsere Klasse gekommen und Kondome über Holzstäbe gezogen hätte. Uns wurde Sexualkunde in der Mittelstufe im Schnelldurchlauf vermittelt von Lehrkräften kurz vor der Pensionierung, denen „die Sache“ aufgrund ihrer öffentlich verkündeten Jungfräulichkeit nicht unbedingt aus eigener Anschauung geläufig und meist noch peinlicher als den pubertierenden Zuhörern war. Diese Lehrerinnen blühten nur auf, wenn wir uns wieder dem schuleigenen Feuchtbiotop zuwenden konnten. Als Ausgleich wurden wir in der Oberstufe von einem übersexualisierten Lehrer unterrichtet, der die ersten beiden Stunden am Samstag morgen gerne nutzte, um mit großer Detailfreude von der vorangegangen Nacht zu berichten. Wir versuchten bald nicht mal mehr, uns die Namen seiner Spielgefährtinnen zu merken und konzentrierten uns auf das Wesentliche.

Beim Wesentlichen sparte er nicht mit praktischen Hinweisen, die er bevorzugt direkt an die weiblichen Schüler richtete. Ich wußte dank seines Biologieunterrichts bereits vor meinen ersten Experimenten, daß die meisten Männer den Sex doggy-style bevorzugen, weil in dieser Stellung gewisse Körperteile frei schwingen können. Außerdem vergaß er nicht darauf hinzuweisen, daß Spermizide in Form von Vaginalzäpfchen wegen ihres schlechten Geschmacks tunlichst vermieden werden sollten. Das war weitaus mehr, als ich je von einem Lehrer hören wollte und entsprechend groß war die Zahl meiner Fehlstunden.

Er war es auch, der in einer schulinternen Fachkonferenz zum Thema Biologie die gängige Unterrichtspraxis zur Aidsprävention bemängelte, das Überziehen von Kondomen am schuleigenen Holzpenis zu üben. Der Penis trug den schönen Namen Adalbert und war bereits durch zahllose Schülerhände gewandert. Unsere erfahrene Fachkraft kritisierte jedoch genüßlich und völlig tagesordnungsunabhängig, die Übung sei irreführend, weil das hölzerne Ersatzgeschlechtsteil nicht ejakulieren und folglich danach auch nicht schrumpfen könne. Die Schüler würden also nicht lernen, das Kondom auf dem Rückzug festzuhalten. Die Konferenz endete mit einem Marsch der hochroten, jungfräulichen Lehrkörper zur Direktorin und mit einem Verbot weiterer Streicheleinheiten für Adalbert. Aber die interessanten Details machten in Rekordzeit die Runde durch die Schule und bald wußte selbst die Unterstufe, wie sie denn im sehr unwahrscheinlichen Fall der Fälle mit dem Kondom umzugehen habe.

Ich bin sehr gespannt, welche Erfahrungen meine Mutter mit dem unter Priapismus leidenden Holzpenis und pubertierenden Schülern machen wird.

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