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Blogtalk Reloaded

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2006-05-17 - 23:58 - Bahnunfälle in Frankfurt und WM in Berlin

Ich bin grad so viel unterwegs, daß ich kaum noch zum Bloggen komme. Gestern morgen bin ich absurd früh Richtung Bahnhof gestiefelt und in einen Zug gen Frankfurt gestiegen. Dort festgestellt, daß mein Platz nicht nur für mich reserviert war und daher vom Großraum mit Tisch und Steckdose in ein kleines, volles Abteil verbannt worden. Das Argument, ich müsse aber am Rechner arbeiten und wäre daher sehr dankbar für den Platz am Tisch, zählte nicht. Schließlich hatte die ältere Dame bereits eine Brotzeit über den ganzen Tisch verteilt und fuchtelte mir mit dem Messer vor der Nase rum. „Hier ist einfach kein Platz mehr“, sprach sie und rammte zur Bestätigung das Messer in den riesigen Schwarzwälder Schinken. Ich erkenne, daß es hier nur einen Sieger auf dem Platz geben kann und ziehe zwei Wagen weiter.

Im Abteil saßen außer mir eine Hochschwangere und ihre mittelschwangere Freundin sowie frischgebackene Großeltern Mitte 40. Um 7:20 Uhr diskutierten sie die Vorzüge diverser Gebärmethoden (Gebärschwingstuhl kontra Wassergeburt und warum es nicht schön ist, wenn die ganzen Körperflüssigkeiten bei der Hausgeburt auf den guten Teppich tropfen, der nicht nur sehr hell, sondern auch erst ein Jahr alt ist). Ich werde in meiner Auffassung bestätigt, daß es nicht nur In Vitro Fertilisation, sondern auch In Vitro Austragung geben sollte. Um 7:45 Uhr ist man zu frühkindlichen Ausscheidungen übergegangen und stellt Zusammenhänge her zwischen Farbe, Konsistenz und Geruch von Inas Exkrementen und der Marke des verfütterten Breis. Wie gut, daß ich keine Zeit fürs Frühstück hatte.

Statt dessen erwartet mich nach einem Besuch in der „Technik und Motor“-Redaktion der FAZ ein üppiges Mittagessen mit kluger und sehr unterhaltsamer Begleitung (mir wollte nur schon wieder niemand glauben, daß ich auf Fotos fast immer aussehe, als würde mein IQ unaufhaltsam dem Gefrierpunkt entgegenstreben, also mußte ich den Beweis antreten). Herr Pardey konnte übrigens inzwischen erfolgreich mit dem Blogvirus infiziert werden. Er berichtet seit 48 Tagen aus seiner Klosterküche. Unterhaltsam ist es aber auch in der Redaktion selbst, denn man kann dort Menschen treffen, die „ein Unfall, ein Eisenbahnunfall muß her“ murmelnd durch die Gänge hasten. Etwas später chauffiert mich dann „mein“ Redakteur sogar zum nächsten Termin nach Mainz. „Mein“ Redakteur ist der arme Dr. Spehr, der regelmäßig verzweifeln muß, wenn ich ihm mit all dem mir zu Verfügung stehenden Liebreiz erkläre, daß 220 Zeilen wirklich extrem nah an den geforderten 200 Zeilen sind und es überhaupt keinen Grund gibt, den Text noch zu kürzen. Ich hätte schließlich auch locker 250 Zeilen produzieren können. Und überhaupt sind die Bilder in den Artikeln eh immer viel zu groß – was mir der für die Optik zuständige Herr bei meiner Stippvisite leider nicht zu glauben schien.

Nach Mainz fahren wir übrigens nicht mit einem der schnellen Sportwagen, die der Redaktion regelmäßig zu Testzwecken in das Parkhaus gestellt werden, sondern mit einem sehr großen Opel, der zu meiner Verwunderung ganz ohne Schlüssel auskommt (hey, mein Golf ist 12 Jahre alt, der hat noch nicht mal Zentralverriegelung, woher soll ich denn wissen, daß man heute nicht mal mehr Schlüssel braucht?). Sollte ich künftig Menschen mit Zugriff auf Testwagen kennenlernen, werde ich bei der Frage nach meiner Herkunft nicht mehr die Opelstadt Bochum erwähnen, sondern nur noch Modena nennen.

In Mainz erwarten mich die Studenten des Journalistischen Seminars, um etwas über Weblogs zu erfahren. Ich habe mir wieder mal völlig grundlos Sorgen gemacht, denn die Atmosphäre dort hat so gar nichts mit der kühlen, oft abschätzigen Distanziertheit zu tun, die ich aus juristischen Veranstaltungen kenne. Im Gegenteil, das Seminar ist angenehm klein und ich werde sehr herzlich von Prof. Wolff und seinem Team nebst Seminarhund begrüßt. Dann führt er mich durchs Haus und ich sage in den nächsten 20 Minuten selten mehr als ein mäßig intelligentes „Ooooh“. Hinten im Garten, der gerne und regelmäßig für Feiern genutzt wird, wärmt die Sonne das Gras und oben gibt es ein nagelneues digitales Hörfunkstudio. Als wir in dem Raum mit der hochmodernen Fernsehtechnik landen, wird mir wieder deutlich bewußt, was ich gerne noch alles lernen würde. Am liebsten hätte ich direkt meine Bewerbung abgeben und wäre gleich dort bleiben. Zum Glück darf ich bei nächster Gelegenheit wiederkommen und mit den ganzen Reglern spielen.

Bis dahin habe ich vielleicht sogar schon ein bißchen was gelernt, zumindest übers Videobloggen. Und damit schreiten wir endlich zu der bereits für, ähm, vorgestern angekündigten Aufklärung der geplanten Kohabitation mit Herrn Knüwer. Ich werde nämlich die Zeit der WM nicht wie ursprünglich vorgesehen in einem fernsehlosen Versteck an der Nordsee verbringen, sondern mich statt dessen mitten ins Herz der Fußballnation stürzen (nein, nicht Gelsenkirchen, ts). Meine liebsten Blogprojektrealisierer von Knallgrau hatten die tolle Idee, eine Wohnung in Berlin zu mieten, coole Videoblogger und eine so was von uncoole Nur-Text-und-gelegentlich-auch-Audio-Bloggerin für vier Wochen dorthin zu verpflanzen und sie über das irrsinnige Spektakel rund um den kleinen Ball, den viel zu großen Platz und die strammen Waden bloggen zu lassen.

Zum Glück müssen sie sich unseren Aufenthalt dort nicht vom Mund absparen, denn Coca-Cola ist als Sponsor mit an Bord. Deshalb fiel auch die Wohnung etwas großzügiger aus, 220 m2 mit Dachterrasse, um genau zu sein. Genug Platz, um jede Menge Gäste zu beherbergen. Wir brauchen jetzt also nur noch freundliche Blogger aus aller Welt, die Lust haben, uns zwischen dem 9. Juni und 9. Juli für ein paar Tage zu besuchen (220 m2! Dachterrasse! stramme Waden!) und den ganzen Irrsinn in irgendeiner Form festzuhalten. Bewerben kann man sich jetzt sofort und zwar hier. Herr Knüwer, um endlich mal zum Punkt zu kommen, hat seine Bewerbung übrigens schon persönlich bei mir abgegeben. Da wußte er allerdings noch nicht, daß der Hund auch mit einzieht.

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