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2006-05-22 - 20:09 - Duschen gegen Aids mit Jacob Zuma

Bevor ich auf Herrn Zuma zu sprechen komme, möchte ich auf den „Maskottchen-Wettbewerb“ aufmerksam machen. Leider hat Goleo nämlich noch weniger Charisma als die rundumerneuerte und komplett mimikfreie Freundin des Schönheitschirurgen von nebenan und kann sich höchstens rühmen, seinen Hersteller in die Insolvenz getrieben zu haben. Seine härtesten Konkurrenten um den Titel des furchtbarsten WM-Maskottchens aller Zeiten sind allenfalls noch die ebenfalls als Vertreter Deutschlands ins Rennen geschickten, frisch lobotomisierten “Tip und Tap” von 1974. Und das macht mich sehr unglücklich, denn wenn ich mich schon ins Herz des Wahnsinns begebe, möchte ich auch ein Maskottchen als Begleitschutz haben. Nur eben nicht Goleo.

Daher bitte ich Euch inständig, ein Maskottchen für die WM-WG in Berlin zu entwerfen. Zwingt mich bitte nicht, den armen Hund als Ersatz zu mißbrauchen. Der Sieger des Wettbewerbs wird nebst Maskottchen in die WG und zu einem Fußballspiel eingeladen (keine Ahnung von Fußball zu haben ist überhaupt kein Hinderungsgrund, wie man an mir sehen kann). Außerdem werden wir Buttons und T-Shirts mit dem neuen Maskottchen bedrucken lassen und diese mit stolzgeschwellter Brust in Berlin spazierenführen (der Sieger bekommt natürlich auch eins). Und bevor hier empörte Debatten ausbrechen: Wir verfolgen keinerlei kommerzielle Absichten mit dieser Idee. Ihr erlaubt uns, das Maskottchen im Rahmen des WM-Projekts zu verwenden, behaltet aber natürlich die Rechte daran. Wir werden keine T-Shirts zum Verkauf bedrucken, sondern allenfalls zum Verschenken (Herr Blatter braucht dringend eins). Und wir singen gerne bei jeder Gelegenheit Euer Loblied.

So, und jetzt zu Herrn Zuma, was so ziemlich das Gegenteil eines Lobliedes werden dürfte. Jacob Zuma war von 1999 bis Juni 2005 Vizepräsident von Südafrika und heißer Anwärter auf die Nachfolge von Thabo Mbeki. Dann mußte er seinen Hut nehmen, weil sein Finanzberater wegen der Annahme von Bestechungsgeldern zu einer Haftstrafe verurteilt wurde und nun Zuma selbst wegen Korruptionsverdachts vor Gericht erscheinen darf. Na gut, das passiert viel zu häufig in allen Ecken dieser Welt, aber knapp ein halbes Jahr später gab er der Öffentlichkeit so richtig Grund zum Staunen.

Er soll im November letzten Jahres eine Anti-Aids-Aktivistin, die Angehörige einer befreundeten Familie ist vergewaltigt haben. Sie war zu Gast in seiner Residenz und soll nach einem Essen mit der Familie von Jacob Zuma zum Sex gezwungen worden sein. Zuma bekennt sich zum Sex, behauptet aber, der sei durch und durch einvernehmlich gewesen. Und nicht nur das, es sei geradezu ein Akt der Höflichkeit gewesen. Sie habe schließlich durch ihre aufreizende Kleidung (kürzerer Rock) und suggestiven Gesten (Beine nicht durchgehend übereinander geschlagen) ihre Bereitschaft zu sexueller Aktivität kund getan und nicht mit ihr zu schlafen, wäre nach den Vorstellungen der Zulu Kultur vielmehr einer Vergewaltigung gleichgekommen. Er sei sogar bereit, die Frau zu heiraten (er hat ohnehin schon drei) und verhandle bereits mit ihren Tanten über eine mögliche Mitgift.

Die Richter glaubten ihm und sprachen ihn kürzlich frei, nicht zuletzt weil die 31jährige in der Vergangenheit bereits mehrfach erfolglose Vergewaltigungsklagen angestrengt hatte. Während der Verhandlungstage versammelten sich große Menschenmengen vor der Tür, die Plakate mit dem Bild der Frau verbrannten und dazu „verbrennt die Hure“ skandierten. Zuma wurde nach dem Freispruch begeistert gefeiert, die Frau hingegen im Rahmen eines Zeugenschutzprogramms im Ausland in Sicherheit gebracht.

Doch damit nicht genug. Er hatte ungeschützt mit der Frau geschlafen, obwohl ihm durchaus bekannt war, daß sie HIV-positiv ist. Das erstaunte selbst die Richter, die ihn trotzdem nicht zu einer Blutprobe zwingen wollten. Jacob Zuma gab als Erklärung an, das sei alles kein Problem, er habe schließlich direkt danach geduscht, was das Risiko seiner verblüffenden Theorie zufolge ungemein mindern soll. Verblüffend, nein, erschreckend ist das vor allem deshalb, weil Zuma lange als Vorsitzender des „National AIDS Council“ für Regierungskampagnen zur Bekämpfung der Epidemie zuständig war. Man möchte sich nicht vorstellen, wie Kampagnen aussehen könnten, die er allein mit Präsident Mbeki austüftelt, denn auch sein ehemaliger Vorgesetzter hat sich in diesem Punkt nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Mbeki stellte 2000 HIV als Ursache von Aids in Frage und lehnte die Gabe von AZT an Schwangere zur Verhinderung der Virusübertragung ab. Da drängt sich doch der Verdacht auf, er könnte in seiner Zeit in Großbritannien zuviel Monty Python geguckt haben.

Aber ich fürchte, wir werden noch häufiger von Herrn Zuma und seiner Sicht der Welt lesen können. Das Korruptionsverfahren ist zwar noch nicht vom Tisch (voraussichtlicher Verhandlungsbeginn 31.7.), aber er hat trotzdem schon seinen alten Posten als stellvertretender ANC-Vorsitzender zurück und will 2009 als unbeirrt als Präsidentschaftskandidat antreten. Man darf gespannt sein, wie viele potentielle first ladies er dann mitbringt. Schade, ich würde Südafrika, dem ganzen Kontinent einen Generationswechsel von Herzen gönnen – mit Politikern an der Spitze, deren Verdienste nicht vor allem in der tragischen Vergangenheit liegen und die in der Sparte „Qualifikation“ nicht allein „habe Robben Island“ überlebt eintragen.

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