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Blogtalk Reloaded

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2006-05-27 - 15:35 - Österreichs Männer vom Ausbluten bedroht

Ich gebe zu, die Blogfrequenz läßt derzeit arg zu wünschen übrig. Nachdem ich in den letzten drei Jahren regelmäßig gejammert habe, ich wäre zu wenig auf Reisen, scheint meine Bitte nun erhört worden zu sein. Und prompt sitze ich in überfüllten Zügen oder einsamen Hotelzimmern und jammere, weil die Zeit für den ganz normalen, liebgewonnenen Alltag, für lange Hundespaziergänge, ausgiebige Telefonate und die guten Freunde fehlt. Von der schmerzhaften Online-Abstinenz ganz zu schweigen.

Letzte Woche stand Salzburg auf dem Programm, wo ich zusammen mit etlichen interessanten Menschen auf einem Podium sehr unterhaltsam moderiert von Herrn Rettenegger über Weblogs diskutieren durfte und schließlich von Kai Lehmann das letzte Exemplar seines Buches "Die Google-Gesellschaft" geschenkt bekam. (Ein herzliches Dankeschön nochmals an die Veranstalter und an Kai!) Den Nachmittag des nächsten Tages hatte ich mir freigenommen, um zusammen mit Sannie durch die Stadt zu bummeln, in der ich zuletzt vor etwa zehn Jahren war. Natürlich war das Wetter hervorragend – bis zu meiner Anreise. Dann fiel die Temperatur über Nacht von 30° auf 15°, der Himmel verdunkelte sich, die Wolken luden reichlich Regen ab und verzogen sich erst wieder anläßlich meiner Abreise.

Kurz zuvor muß der Hamburger Fischmarkt ebenfalls dort zu Besuch gewesen sein, wie uns mehr als nur einmal berichtet wurde. Leider paßte sich das Gesicht des Erzählers dann meist schnell der Farbe des Himmels an: „Und es ist gut, daß die Schreihälse wieder in ihre Heimat zurückgekehrt sind.“ Beim nächsten Mal gebe ich einen Herkunftsort an, der nicht regelmäßig seine lautesten Touristenattraktionen auf Europatournee schickt. Merke: Wo „Oole-Dieddä“ hingelangt an, wächst kein Wohlwollen mehr. Oder so ähnlich.

Äußerst angenehm überrascht war ich jedoch von der Erkenntnis, daß sich der Mozartwahn in den Tagen vor Beginn der Festspiele in recht erträglichen Grenzen hält. Man hat zwar futuristische Infoglashäuser errichtet, die sich ungefähr so harmonisch in das Bild der Altstadt einfügen wie ein Dackel auf einer Königspudel-Zuchtschau wirkt, und an jeder Ecke rühmen sich Geschäfte, die wirklich einzig wahren, so richtig echten Mozartkugeln zu verkaufen, aber wenigstens laufen (noch?) nicht überall mit Puderperücke verkleidete Promo-Amadeusse herum. Gegen jene habe ich nämlich eine nicht nur ästhetisch begründete Aversion.

Mein letzter selbstverursachter Autounfall liegt ungefähr fünf Jahre zurück. Damals bin ich etwas zu schwungvoll rückwärts aus einer Parklücke heraus- und direkt in einen Smart hineingefahren. Ich habe mich ziemlich erschrocken, doch das war noch nichts gegen das Entsetzen, das mich ergriff, als dem Smart ein üppig ausstaffierter Mozartklon entstieg. Ich war für Sekundenbruchteile fest davon überzeugt, jetzt endgültig den Verstand zu verlieren. Der Mozart 2.0 entpuppte sich als wandelnde Werbung für das gleichnamige Musical, aber ich muß noch heute beim Anblick von Amadeuskopien an die scheinbar schon festgebuchte Gummizelle denken.

Was also die Mozartmanie betrifft, hat Salzburg durchaus punkten können. Als dickes Minus muß ich jedoch die grauenvollste Bankwerbung anführen, die ich je gesehen habe. Das Bankhaus Spängler läßt kein noch so ekeliges Klischee aus, um potente männliche Privatkunden zu werben. Sie versprechen sogar, sie vor den habgierigen und absolut skrupellosen jungen Frauen zu schützen, die bekanntlich an jeder Straßenecke auf ihre ahnungslosen, unschuldigen Opfer lauern, um sie dann mit etwas Mascara und einem tiefen Ausschnitt zu überrumpeln. Da hat wohl jemand im Hause Spängler zuviel „Foffi und Tatjana“ geguckt. Oder quält da etwa der Blick auf die monatlichen Unterhaltsüberweisungen die geschundene Männerseele?

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„Natürlich ist Ihre neue Frau nicht zu jung für Sie. Aber bei der Trennung könnten Sie ganz schön alt aussehen.“
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