Entschuldigt bitte die lange Schweigsamkeit und die anhaltende Kommentarlosigkeit hier. Das Blog leidet unter massiven technischen Problemen, die sich offensichtlich auf dem jetzigen Parkplatz nicht so einfach beheben lassen. Aber keine Sorge, hinter den Kulissen wird (zwischen den Fußballübertragungen und Broterwerb) intensiv am bevorstehenden Serverumzug gebastelt. Ich hoffe sehr, daß die Probleme spätestens nächste Woche behoben sind und ich dann wieder zu jeder beliebigen Nachtzeit bloggen und endlich endlich wieder Kommentare bekommen kann. So langsam fühle ich mich hier nämlich ganz schön einsam. Aber jetzt gibt es erst mal einiges nachzutragen:
Einkaufen im Sommer gehörte noch nie zu den Höhepunkten in meinem Kalender, was nur bedingt an den mörderischen Temperaturen in vielen Kaufhäusern und der olfaktorischen Verletzung meiner Privatsphäre durch die vielfältigen Ausdünstungen anderer Konsumenten liegt. Nein, große Frauen wie ich, deren breites Kreuz von bäuerlichen Genen kündet, sind in streng geschnittener, dunkler Winterkleidung einfach besser aufgehoben als in elfenhaftem Flatterzeug. Große Hitze ist nur in Gegenden dieser Welt erträglich, in denen Aussehen sekundär ist und Khaki ganzjährig Saison hat.
Ich habe allerdings noch nie so sehr mit einer Übersommerung in Afrika geliebäugelt wie in diesem Jahr. Na gut, vielleicht hätte ich den Tag nicht unbedingt mit dem verhaßten Schuhkauf beginnen sollen, aber nach einem Blick in die klägliche Sommerabteilung meines ohnehin recht kleinen Schuhschranks waren drastische Schritte angesagt. Nach gefühlten zwei Stunden und realistischen 15 Minuten war ich allerdings bereit, eine Barfußrevolution auszurufen. Welcher überbezahlte Irre ist denn bitte auf die Idee gekommen, weiße Schuhe seien nicht nur tragbar, sondern selbst außerhalb von Krankenhäusern das Must der Saison? Ich habe noch nie ein Paar weißer Schuhe gesehen, das mir wirklich gefiel. Und ich kenne genau zwei Frauen, die weiße Schuhe tragen können, ohne billig, albern oder wie eine Kommunionsperversion zu wirken. Die Kundinnen heute morgen bei Görtz gehörten nicht zu diesem recht kleinen Kreis.
Die Frau auf dem Hocker links neben mir erwog allen Ernstes 140 Euro in ein Paar weiße Latschen zu investieren, die aussahen, als wolle sie die ihrer Großmutter für den bevorstehenden Kuraufenthalt schenken. Meine Großmutter hätte sich allerdings für so etwas geschämt, das derart eindeutig „vernünftig und gesund bis ins hohe Alter“ schreit. Die Frau rechts neben mir tendierte eher zu Modellen, die man in der letzten Saison außerhalb der Herbertstraße nicht zu Gesicht bekommen hätte. Dünne weiße Riemchen mit dicken Nieten, ein bißchen Ethno-Gefledder daran, wahlweise auch mit Pailetten in Gold und Pink geschmückt. Überhaupt Gold – hat es etwas mit der schwierigen Wirtschaftslage zu tun, daß Frauen freiwillig goldene Knautschstiefel tragen und fast 50% der angebotenen Schuhe irgendwo mit Gold verziert sind? Kompensiert Kunstgold an den Füßen vorübergehend das Blech auf dem Bankkonto?
Ich hab dann schließlich im dritten Laden genau ein einziges Paar entdeckt, dessen Absatz nicht wie die Korkpinnwand meiner Eltern in den 70ern aussah, das weder Troddeln, noch Perlen oder goldene Nieten hatte und auch nicht den Verdacht von Rentnerchic erweckte. Und das beste war, daß selbst meine mißratenen Füße reinpaßten, ohne mitleidige Blicke auf sich zu ziehen. Der Preis lag zwar knapp über dem eigentlichen Budget, aber angesichts der äußerst ungünstigen Kombination von Designerirrsinn und Fußform darf man nicht wählerisch sein. Als ich die Schuhe der Frau an der Kasse reichte, wurde mir allerdings empfohlen, sie möglichst schnell zusätzlich besohlen zu lassen, weil die dünne Ledersohle nicht eben besonders haltbar sei. „In zwei bis drei Wochen sind die sonst durch.“ Ich habe die Schuhe sofort wieder ins Regal gestellt und mein Geld zu einem Drucker getragen, der jetzt Flyer für die anstehende Barfußrevolution herstellt.
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