Hurra, der Serverumzug hat endlich funktioniert und es gibt damit auch wieder Kommentare. Ich bin offensichtlich doch nicht allein im Universum! Und das alte Archiv sollte dank der unermüdlichen Arbeit von Heiko auch bald wieder online sein. Ach Kinners, is dat schön. Ich fühlte mich schon ganz heimatlos so ohne virtuelles Wohnzimmer.
Deshalb nutze ich gleich die Gelegenheit, Euch reichlich kurzfristig auch über diesen Weg zu unserer „Chicks with balls“-Lesung in der leicht wahnsinnigen Fußball-WG in Berlin einzuladen. Am kommenden Sonntag, den 25. Juni 2006 gibt es erst Kaffee, Kalorien und Kultur und danach dann wieder Fußball. Je nach Wetterlage und Gästezahl laden wir um 13 Uhr zur Lesung im Dachgarten oder im Wohnzimmer der WG (Lietzenburger Str. 83 / Ecke Pfalzburgerstraße in Berlin Wilmersdorf – bei „Coke“ klingeln) und servieren dazu Kaffee und Kuchen. Wir sind besonders froh, die Kopfballkünstlerinnen Frau Elle, die Kaltmamsell, Frau Klugscheißer und die Schwadroneuse präsentieren zu dürfen.

Ich werde auch lesen, sofern die das ganze Halsspray und die Thymianlutschtabletten Erfolg zeigen und ich dann nicht länger wie eine altgediente Bardame mit Raucherhusten klinge. Zum Vergleich: Hier ein Interview mit dem Deutschlandfunk mit normaler Stimme, hier ein Interview mit Motor FM im Kettenraucher-Bardamen-Modus. Dazwischen liegen wenige Wochen und eine Kehlkopfentzündung.
Wer uns am Sonntag in der WG besucht, kann auch einen Blick auf unsere sonderbare Wohnlage werfen. Bislang kannte ich Wilmersdorf nämlich nur als eher beschaulichen, sehr gediegenen Wohnort der berüchtigten Wilmersdorfer Witwen. Ich hätte nicht gedacht, daß Wilmersdorf seinen eigenen kleinen Rotlicht-Bezirk hat und ich mal temporär mitten drin wohnen würde. Aber tatsächlich ist direkt nebenan im Erdgeschoß der „Club Orchidee“ mit vielsagendem Eingangsbereich, schräg gegenüber ein weiterer Stripschuppen und direkt um die Ecke ist ein Club der Interessierte mit Transsexuellen zusammenbringt. Vor dem „Club Orchidee“ sitzt allabendlich ein recht beleibter älterer Mann auf einem alten Holzstuhl, der von Zeit zu Zeit Gesellschaft von einem türkischen Freund gleichen Alters bekommt. Der Mann scheint eine Art Koberer zu sein, tut aber nichts von dem, was seine Berufskollegen auf dem Kiez so tun. Er tut überhaupt kaum etwas außer auf dem Stuhl neben dem Eingang zum Club zu sitzen und die Straße auf und ab zu blicken. Gelegentlich verschiebt er den Stuhl um wenige Zentimeter. Und wenn ich dann gegen eins zum letzten Mal mit dem Hund vor die Tür gehe, nickt er mir freundlich zu, sagt „letzte Runde?“ und ich erwidere „ja, bei Ihnen aber hoffentlich noch lange nicht.“ Dann gackert er, tätschelt den Hund und winkt mir ein letztes Mal zu. Nette Nachbarschaft hier, wirklich.
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