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2003-09-28 - 23:54 - I'm not 30, I'm 29,95

Heute ist Sandy, eine alte Schulfreundin von mir, 30 geworden - bzw. laut Aussage ihres Geburtstagskuchens 29,95. Wir haben uns natürlich schon gestern abend getroffen, um reinzufeiern und das Ereignis gebührend mit literweise Champagner zu begießen. Da ihr Freundeskreis reichlich verstreut lebt und arbeitet, waren im Laufe des Tages mehrere Fahrten zum Flughafen nötig, um alle Gäste pünktlich in ihre Wohnung zu verfrachten.

Neben ihrer Familie und einigen Kollegen von ihr waren auch noch zwei andere Mitabiturienten vor Ort, die ich beide etwa acht Jahre nicht gesehen hatte. Mir war schon bei der Anreise mulmig, denn noch ein weiteres Wiedersehen mit den Worten "du hast dich ja gar nicht verändert, wie schön" hätte ich mit einem langanhaltenden Schreikrampf quittieren müssen.

Außerdem haben beide auch Jura studiert, sich aber im Gegensatz zu mir nie beirren lassen und sind auf direktem Weg hochseriöse Juristen geworden, während ich immer noch auf sonderbaren Seitenpfaden rumschleiche und mich frage, wohin das wohl führen wird und was ich vom Leben will. An manchen Tagen sind da Begegnungen mit Karrierejuristen und ihren berechtigten Fragen ("aber warum willst du denn deine Ausbildung so wegwerfen und nicht Juristin werden?") harte Kost für mein fragiles Seelchen.

Das Wiedersehen war zwar sonderbar - man schleicht ein bißchen herum, tastet sich langsam an den Lebenslauf des anderen heran, bringt sich schließlich auf den aktuellen Stand - aber der befürchtete Schrecken blieb trotz der üblichen Fragen und des ungläubigen Kopfschüttelns aus (vielleicht hatte ich aber einfach auch schon genug Champagner getrunken). Es war ziemlich spannend zu sehen, wie die beiden sich entwickelt haben, und mir war neu, daß sich meine Stimme sehr verändert haben muß. Angeblich ist sie wesentlich tiefer und entspannter geworden - was ich jetzt einfach mal als Kompliment verbucht habe.

Und vermutlich ist das auch schon das einzig Positive, was sich über meine Stimme sagen läßt, denn in dieser Beziehung war der gestrige Abend wirklich eine Lektion in Demut. Sandy ist nämlich nach einem Kurzausflug ins Musical-Business Opernsängerin geworden und hat eine umwerfende Stimme (sie ist überhaupt eine umwerfende Person und würde ich sie nicht so sehr mögen, wäre ich ständig grün vor Neid). Zusammen mit ihren Kollegen aus London ist sie gestern auch recht schnell am Klavier gelandet und hat ein spontanes Konzert gegeben, das von Arien bis hin zu Blues reichte und bei mir für Instant-Gänsehaut sorgte.

Dabei ist mir mal wieder bewußt geworden, daß ich kaum etwas lieber hätte als Talent zum Singen und leider kaum etwas noch weniger habe. Nichts kann so sehr berühren wie eine schöne Stimme, ganz abgesehen davon, daß es nichts Erotischeres gibt als eine schöne Stimme. Daneben werden körperliche Vorzüge oder auch Nachteile einfach zehntrangig. Zumindest mit meinem Hirn kann eine schöne Stimme komische Dinge anstellen.

Außerdem sieht Sandy so unglaublich glücklich aus, wenn sie am Klavier sitzt und mit Freunden singt. Eine geschlossene Gesellschaft, zu der normale Duschsinger leider keinen Zutritt haben. Zum Glück hat niemand bemerkt, daß ich beim Happy-Birthday-Singen nur beschämt die Lippen bewegt habe.

Zur Feier des Tages stellte Sandy außerdem ihr neuestes Projekt vor, das sie zusammen mit ihrer jüngeren Schwester betreibt: Papilio. Ein multilinguales Weiterbildungszentrum, an dem sie selbst Gesang unterrichtet, so daß sie künftig zwischen der Schule in Düsseldorf und ihrem aktuellen Engagement in London pendeln wird. Ach ja, frisch verliebt ist sie so ganz nebenbei auch noch ("Oh, wer ist denn der Glückliche?" - "Ein Baßbariton.").

Ist es da ein Wunder, daß ich am Ende des Abends verloren auf dem Sofa saß und mich entsetzlich untalentiert, langweilig und faul fühlte? Gebt mir mehr Champagner ...

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