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2003-08-26 - 09:21 - Early morning feminist rant

Ich lasse mich ja normalerweise nicht so früh am Morgen zu feministischen Tiraden hinreißen. Eigentlich liegt mir das generell nicht besonders. Aber heute morgen habe ich den elementaren Fehler begangen, so gegen acht zum Aufwachen als Untermalung zum Kaffee im schnellen Wechsel durch vier Musikkanäle zu zappen (mein Hirn verweigerte sich konsequent der FAZ-Lektüre und drohte schon beim Anblick der garantiert bildfreien Titelseite mit komplettem Shutdown).

Dabei habe ich unter anderem gelernt, was "heavy rotation" bedeutet. "Crazy in Love" von Beyonce Knowles lief nämlich in weniger als 20 Minuten auf jedem Kanal ein Mal in voller Länge. Das allein wäre nicht weiter tragisch, denn diesen Song mag ich, obwohl R&B sonst nicht so leicht den Weg in meine Wohnung und erst recht nicht in meine persönliche heavy rotation findet.

Auch bei der dritten Wiederholung streikten zumindest meine Ohren noch nicht. Allerdings hatte ich beim zweiten Durchlauf bereits vorsichtig meine Augen geöffnet und mein Hirn versuchte erstmals das dazugehörige Video zu sortieren. Zack. Spätestens jetzt war die sonst so friedfertige Feministin in mir hellwach und führte sich auf wie ein Pitbull auf Speed.

Auf dem Bildschirm stand zwar "Beyonce feat. Jay-Z", aber das Video sah ganz eindeutig eher nach "Jay-Z feat. Beyonce" aus. Oder um ganz genau zu sein: "Jay-Z feat. Beyonce's Ass".

Vielleicht mangelt es mir ja schlicht an Verständnis für die gesamte Hip-Hop-Ästhetik, aber ich dachte immer, wenn man versucht sich als Solokünstlerin zu etablieren, muß man sich nicht mehr unbedingt wie eines der beliebigen Arschwackelschnuckelchen gebärden, die ohnehin ausreichend in jedem Video vertreten sind.

Versteht mich nicht falsch. Ich habe nichts gegen Frauen, die ihre Vorzüge gekonnt in Szene setzen und sich ihren Lebensunterhalt durch shake-that-thing in Videos oder auf der Bühne verdienen. Ich kann auch gut verstehen, daß Beyonce ihren Sexappeal nicht verstecken will. Sex sells. Wenn ich aussehen würde wie sie, hätte ich vermutlich arge Probleme überhaupt etwas anderes als Stiefel und einen Pelzmantel zu tragen.

Aber hey, dieses Video sieht einfach nicht mehr aus als wäre es ihr Video, das sie als Solokünstlerin zeigt. Es wirkt wie eine aufwendig produzierte Werbung für Jay-Zs Strip-Club (mit exklusiven Einzelsuiten in den oberen Etagen) mit ihr als Vorzeige-Bunny. Während Jay-Z gelegentlich cool guckt und zwischendrin ein wenig am Auto zündeln darf, wälzt sich Beyonce angestrengt über den Boden, hält ihr shakendes thing in die Kamera, wechselt im Sekundentakt stoffsparende Outfits und scharwenzelt ansonsten auf hohen Absätzen um den angehimmelten Jay-Z.

Von dem amüsanten boy-bashing attitude aus bootylicious Destiny's Child Zeiten ist nichts mehr zu sehen. Ladies, das geht auch anders. Ich plädiere für mehr kick ass statt shake your thing.

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